3. Mai 2021

CL-Reform, Super League und die Folgen für den Fußball

Kategorien: Allgemein

Moin Werder-Fans,

was sind das für nervige Wochen als Fan des Fußballs und vor allem als Fan von Werder Bremen. Die Mannschaft holt seit Wochen keine Punkte mehr und wir schauen wieder einmal in den Rachen des Abstiegs. Zudem haben wir nicht einmal die Möglichkeit, unser Team in gewohnter Manier nach vorne zu schreien. Es existiert eine Gesamtsituation rund um unseren Verein, die uns nahezu ohnmächtig zurücklässt. Darüber hinaus sehen Werders Zukunftsaussichten absolut gruselig aus. Nichtsdestotrotz schauen wir auch in dieser schwierigen Situation über den Tellerrand hinaus. Die europäischen Verbände und ihre Funktionäre denken sich eine durchgeknallte Reform nach der anderen aus und zwingen uns zum Handeln.

Hatte man zu Beginn der vermaledeiten Pandemie noch die Hoffnung, dass die Vereine und Verbände sich ein Stück weit die vehemente Kritik, die von allen Seiten auf das überdrehte Fußballbusiness einschlug, zu Herzen nehmen, ist nun das genaue Gegenteil eingetreten. Super League, Reform der Champions League (CL), Euro League (EL) und dann noch diese – was auch immer das sein soll – Europe Conference League (ECL). Wir ersparen uns und euch an dieser Stelle die Einzelheiten der neuen Formate und wollen viel mehr unsere grundlegende Kritik hieran äußern.

Die Super League erst einmal außen vorgelassen; stellen die Reformen der CL, EL und die Einführung der ECL in erster Linie die Etablierung eines sehr unfairen Drei-Klassen-Systems des europäischen Fußballs dar. Diese Reformen sollen nach außen hin eine Durchlässigkeit und besondere Freundlichkeit auch für die kleineren Verbände suggerieren, indem sich die jeweiligen Sieger auch für den nächsthöheren Wettbewerb qualifizieren und dadurch, dass die ECL vor allem für die kleineren Verbände gedacht ist. Doch letzten Endes etablieren diese Reformen lediglich eine Verfestigung des bestehenden Ungleichgewichts zwischen den kleinen und großen Vereinen und kleinen und großen Ligen Europas.

Ziel dieser Reformen ist einzig und allein die Akquise von Geld, ganz viel Geld. So viel Geld, dass vermeintlich alle davon profitieren können. Aber falsch; das Geld geht nur an die Top-Klubs – die Vereine, die ohnehin im Geld schwimmen, die die fetten Investoren haben und dadurch seit Jahren, nein seit Jahrzehnten eh schon die ersten Plätze der europäischen Top-Ligen besetzten.

Wie absurd und von reinem Profitdenken diese ganze Angelegenheit gesteuert ist, zeigt nicht zuletzt die Einführung der Super League, die bis dato nur 42 Stunden bestand hatte. Die Champions League, die seit Einführung in ihrer heutigen Form 1992, ab dem Achtelfinale die immer wieder gleichen Vereine mit sich bringt, ist nichts anderes als eine „Super League“. Wann war das letzte Mal, dass von den etablierten Top-Klubs mal einen Ausreißer gab und ein Verein aus den kleinen Ligen oder ohne das große Investorenkapital im Rücken plötzlich den Weg in die letzten Runden der CL geschafft hat?

Damit das auch ja nicht passiert, wurde in der CL-Reform festgeschrieben, dass, falls der Fall der Fälle eintritt und sich einer der etablierten Top-Klubs mal eine schlechte Saison erlaubt und sich nicht für einen der Wettbewerbe qualifiziert, hier ein Rettungsschirm greift, der ihnen durch eine Hintertür dann doch die Qualifikation für die CL erlaubt.

Alles in allem führen diese ganzen Reformen nur dazu, dass die reichen Vereine und Funktionäre noch reicher werden und die armen Vereine arm bleiben. Da wirkt es fast so, als wäre die kurze Einführung und dann wieder Revidierung der Super League ein reines Ablenkungsmanöver von der Reform der CL gewesen. Der Empörungsschrei in ganz Europa war zu Recht gewaltig, doch verbleibt nun die Empörung über die CL-Reform eher ruhiger, stellt sie doch das kleinere Übel dar.

Aus rein marktwirtschaftlicher Perspektive im Sinne der Profitmaximierung stellen die Reformen in dieser Form einen absolut logischen Schritt dar. Mehr Spiele bedeuten mehr Geld, je hochklassiger die Kontrahenten, desto mehr Zuschauer vor den Fernsehern und umso mehr klimpert das Geld in den Kassen. Doch was hier übersehen wird – und das zeigt offenkundig, wie weit weg die Funktionäre der Verbände von den Fans in den Stadien sind – ist, wo der Fußball herkommt.

Der Fußball ist gewachsen durch harten sportlichen Wettbewerb, oft sehr ungewissen Ausgang, aus der Arbeiterschaft und zunächst ohne das große Geld. Der Fußball ist gewachsen durch die Leidenschaft der Spieler auf dem Platz und den Fans auf den Rängen, ohne dabei an jedwede Profitmaximierung zu denken. Natürlich war es im Verlauf der Geschichte unvermeidbar, dass sich der Fußball der kapitalistischen Logik unterwirft, doch dass dies dazu führt, dass nun alle Fairness und Wettbewerb, die unseren Sport auszeichnen, ad absurdum geführt sind, darf es nicht bedeuten.

Es braucht Reformen des europäischen Fußballs, aber bitte in die andere Richtung. Die Ligen und Wettbewerbe müssen gleiche Voraussetzungen für alle in gleichem Maße schaffen. Das heißt, es braucht eine europaweite faire Verteilung der TV-Einnahmen, die sich unabhängig von sportlichem Erfolg kennzeichnet. Es braucht eine faire Deckelung der Spielergehälter, die dafür sorgt, dass ein Spieler nicht direkt zum nächstbesseren Vertrag wechselt und dass sich die an die Spieler ausgezahlten Gehälter nicht fern aller gesellschaftlichen Realität finden. Wie kann es sein, dass ein einziger Spieler im Monat mehr verdient als eine gesamte Pflegekraftbelegschaft eines Krankenhauses?

Es braucht eine faire Verteilung der Startplätze für die CL auf ganz Europa, sodass nicht nur die Reals, Chelseas oder Bayerns sich Jahr für Jahr in den letzten Runden der europäischen Wettbewerbe wiederfinden. Damit auch die Nationen und Ligen mit ihrem vielfältigen und schönen Fußball und Fankulturen die Möglichkeit bekommen, die großen Pötte zu holen. Denn die europäischen Wettbewerbe haben sich gerade dadurch ausgezeichnet, dass per Losverfahren die ganz großen und unterschiedlichsten Vereine Europas gegeneinander spielen und dass nicht jedes Jahr, sondern selten und per Zufall. Und vor alle dem braucht es eine Reform der veralteten und mafiösen Strukturen der UEFA und der größeren Verbände Europas hin zu demokratischeren und transparenten Strukturen für die Fans und Vereine.

Wir appellieren an alle Fans des Fußballs: Bleibt kritisch, glaubt nicht den Lügen und Mythen der Verbände! Steht ein für unseren Sport, der sich nicht durch pervers hohe Spielergehälter, Ablösesummen und unfaire Wettbewerbsbedingungen auszeichnet!

Wanderers Bremen

24. April 2021

Werder Anleihe

Kategorien: Allgemein

Moin Werderfans,

nach einer langen Zeit melden wir uns mal wieder zu Wort. Auch das Jahr 2021 ist weiterhin von der Pandemie geprägt. Während wir alle uns nach wie vor in Verzicht üben müssen, rollt der Ball in der Bundesliga nahezu unbeirrt weiter. Die ungewohnte Geisterspielatmosphäre verkommt zum Dauerzustand und die Rufe nach den Fans in den Stadien werden immer nur dann lauter, wenn die finanziellen Aspekte bei den Meinungsmachern mitschwingen.

Wir haben gehofft, dass der Fußball sich in Demut zeigt und somit die Pandemie europaweit als Anlass fungiert, die Auswüchse der letzten Jahre und die dadurch unvermeidliche Entfremdung von uns Fans gemeinschaftlich zu korrigieren. Doch was können wir nach einem Jahr Pandemie konsterniert feststellen: In Deutschland wurde eine Fußball Task-Force gegründet, die ihren Versprechungen schuldig bleibt. Die UEFA hat eine Champions League Reform beschlossen, die eine sportliche Qualifikation über die nationalen Ligen ad absurdum führt und Dauerstartplätze für die Top Clubs ermöglicht. Zeitgleich wird die Gründung einer Super-League von 12 Top-Clubs angekündigt, um sie einen Tag später wieder aufzulösen. Jetzt könnte man fragen: Was interessiert uns eine Champions League Reform oder eine Super League? Davon sind wir sportlich in Bremen momentan meilenweit weg. Es zeigt aber einmal mehr stellvertretend, nach welchen Kriterien Entscheidungen im europäischen Fußball getroffen werden.

Währenddessen ist bei unserem SV Werder seit längerer Zeit das größte Nebengeräusch die finanzielle Schieflage. Erst kürzlich wurde sich mithilfe einer Landesbürgschaft ein 20 Millionen Euro Kredit gesichert. Damit ist der Verein nach eigenen Angaben bis zum Ende der Saison „durchfinanziert“. Doch dabei bleibt es nicht. Werder hat eine Anleihe gezeichnet, die bis zu 30 Millionen Euro an weiterem Kapital für die nächsten Jahre zur Verfügung stellen soll. Mit diesen sogenannten KMU-Anleihen suggeriert Werder nach außen, dass es sich explizit nicht um Fan-Anleihen handelt und keine “Goodies“ (wie Filbry es bezeichnet) an die Fans verteilt werden. Doch letzten Endes bestehen die einzigen kleinen Unterschiede zu Fan-Anleihen darin, dass es einerseits keine „Goodies“ für die Kapitalanleger geben wird und andererseits darin, dass Werder vorab schon größeren institutionellen Kapitalgebern die Möglichkeit für eine Geldspritze gegeben hat. Doch auch wenn diese Anleihen nicht als Fan-Anleihe betitelt werden, kann die emotionale Verbundenheit der Fans finanziell ausgenutzt werden. Insbesondere dann, wenn Werder es in den nächsten Jahren nicht schafft, sich wieder finanziell auf solide Beine zu stellen. Die Anleihen können bei den Fans nicht nur zu einem erheblichen Vertrauensverlust führen, sondern auch zu einer gravierenden Entfremdung zwischen Fans und Verein beitragen, da der Fan dadurch zum Geschäftspartner wird.

Hinzu kommt, dass bis jetzt nur sehr vage kommuniziert wurde, wie und wofür die Gelder der Anleihen verwendet werden. Soll das Geld der Anleihen in die Schuldentilgung, Kaderplanung, Jugendarbeit oder in ein mögliches Leistungszentrum fließen? Die Konditionen und die dezidierte Mittelverwendung bleiben bis dato undurchsichtig. Ob sich das ändert bleibt abzuwarten.

Es fehlt unserem Verein aber vor allem an Plan und Perspektive. Wo will Werder hin und wie will Werder seine Ziele umsetzen? Dass der Effekt einer Finanzspritze alleine sehr schnell verpuffen kann, sieht man an diversen Beispielen in der Bundesliga. Kann die Lösung von Schulden folglich sein, noch mehr Schulden zu machen? Nicht zuletzt das Beispiel der Fan-Anleihen dieses einen Vereines aus Hamburg sollte hier abschrecken. Die haben erst jüngst erneute Fan-Anleihen angelegt, um die Schulden aus deren Jubiläumsanleihe zu tilgen. So können Anleihen bei ungewisser sportlicher Perspektive zu einer Kettenverschuldung führen. Und wenn wir eins wollen, dann ist es nicht, sich an diesen Dorfklub von der Elbe zu orientieren.

Es wirkt wie der letzte Strohhalm, der ergriffen wird, um den totalen Kollaps zu verhindern. Aus dem laufenden Spielbetrieb können diese zusätzlichen Kosten wohl kaum bezahlt werden. Werder spielt folglich auf Zeit. In der Hoffnung, dass sich der Transfermarkt und die Einnahmen durch Fans und Sponsoren bis dahin erholt haben und somit das Geld für die Auszahlung in voller Höhe zur Verfügung steht.

Dabei sind diese Maßnahmen vor allem eines: feige. Werder sucht nicht die Konfrontation mit den Verbänden. Werder Bremen, ein Verein, der sich selbst als sozialer Verein bezeichnet und sich gerne als Vorreiter in sozialen Fragen rund um den Fußball gibt, wagt es nicht, der völligen Überdrehung des Fußballbusiness entgegenzutreten. Werder wagt es nicht, mit der nötigen Vehemenz für eine gerechte Verteilung der TV-Gelder einzutreten und Werder wagt es nicht, sich für vertretbare Fußballergehälter einzusetzen. Dabei könnte unser Verein die Zeiten nutzen und Stellung beziehen. Stellung für eine Deckelung der Spielergehälter, Stellung für eine gerechtere Verteilung der TV-Gelder und vor allem Stellung gegen die komplette Entfremdung der Wettbewerbe und des Fußballs im Allgemeinen.

Die gravierenden Fehlentscheidungen der Vergangenheit gepaart mit dem überdrehten Fußballbusiness haben zu diesem finanziellen Desaster geführt. Die Spitze des Eisberges sind die anhaltenden Diskussionen über einen Investor. Die bisherige Schieflage kann durch solide und sportlich erfolgreiche Arbeit wieder grade gebogen werden. Der Verein hat 100 % Entscheidungshoheit und kann sich daher selbst aus dieser Situation befreien. Durch den Einstieg eines Investors wäre diese Eigenständigkeit nicht mehr gegeben. Ein Entscheidungsträger mit einer rendite- und wertsteigerungsgetriebenen Sicht auf unseren Verein würde Einzug gewährt werden. Dieser Schritt wäre nicht zu korrigieren und alle involvierten Entscheidungsträger der Werder Bremen GmbH & Co KG aA sollten sich dies bewusst machen.

Wanderers Bremen

24. Dezember 2020

Jahresrückblick

Kategorien: Allgemein

Moin Werderfans,
zum Jahresende behelligen wir euch bekanntlich gerne noch mit einem kurzen Jahresrückblick im Bezug auf unseren geliebten Sportverein. Ein ausführlicher Rückblick erübrigt sich an dieser Stelle jedoch, da es bis auf Corona hier, Corona da, Corona überall nicht viel Nennenswertes zu bewerten gibt, was nicht durch dieses Virus beeinflusst wurde.

So wirkte dieser Virus auch als Antreiber für Prozesse, die auch schon vor dem Virus grassierten, denen nun aber die Sporen gesetzt wurden und eine erhebliche Beschleunigung erfahren.

Plötzlich wird auch in Bremen ungehemmt darüber gesprochen, Investoren an Bord zu holen, denn der sportliche Misserfolg gepaart mit einer Fehlwirtschaft und dem pandemiebedingten Ausbleiben der Fans sorgt dafür, dass die Hemmschwelle über Investoren zu diskutieren, gewaltig gesunken ist. Wir betrachten die Aussagen und Handlungen unserer Geschäftsführung auch im neuen Jahr mit großem Misstrauen und lehnen den Einfluss von möglichen Investoren grundsätzlich ab. Die Proficlubs müssen unabhängig bleiben und die 50+1 Regel bleibt für uns unverhandelbar. Und auch weiterhin stehen wir zu unserer Kritik, die wir bereits zu Beginn der Pandemie und dem angekündigten Neustart der Bundesliga geäußert hatten.

Während die Politik eine Maßnahme nach der anderen beschließt, um die täglichen Coronafälle wieder auf ein akzeptables Niveau zu bringen, befindet sich der Profifußball in seiner ganz eigenen Blase. Eine Blase, in der es keine Knappheit an Testmöglichkeiten gibt, eine Blase, in der der Ball wie selbstverständlich weiterrollt, während der Rest der Gesellschaft sich im Lockdown befindet.

So wirkt auch hier das Virus wie ein Katalysator. Wir Fans fehlen unserem Verein zwar als zahlende Kunden. Diese Kunden sind jetzt aber einfach vor der Glotze und schauen sich da die Spiele an und lange diskutierte Reformen über die faire Verteilung der TV-Gelder bleiben größtenteils unrealisiert. Die Wertschätzungsbekundungen an die Fans haben nur so lange Bestand, wie der eigene Geldbeutel davon unberührt bleibt.

Der Katalysator hat auch nicht vor unserem Verein Halt gemacht. Die ohnehin prekäre finanzielle Situation hat eine erhebliche Beschleunigung gefunden, doch dank der Pandemie war es umso einfacher, die finanzielle Situation auf das Virus zu schieben und sich auf diesem Wege einen Kredit zu ergaunern. Dadurch ist erst einmal das kurzfristige Überleben gesichert. Von einer langfristigen Strategie kann dabei aber keine Rede sein.

Trotz dieser düsternden Zeiten wünschen wir euch zum Abschluss des Jahres 2020 besinnliche Festtage und einen guten Rutsch in das neue Jahr.

Bleibt gesund, wachsam und engagiert!

Grün-Weisse Grüße
Wanderers Bremen

6. Dezember 2020

TV-Gelder fair verteilen

Kategorien: Allgemein