4. Juli 2021

Nein zum Investor!

Kategorien: Allgemein

Wie es sportlich um den SV Werder Bremen in den letzten Jahren gestellt war, konnte man sehr gut anhand der Tabelle am Saisonende ablesen. Nicht so deutlich sichtbar war hingegen die schwerwiegende finanzielle Situation, in der sich unser Verein befindet. Obwohl der Verein seit Beginn der Pandemie sehr offen mit der Situation umgegangen ist, offenbarte letztlich erst das Prospekt zur Anleihe das tatsächliche Ausmaß der finanziellen Misere. Dass die Pandemie Ihren Teil dazu beigetragen hat, wollen wir gar nicht infrage stellen. Vielmehr wird aus unserer Sicht aber ebenfalls deutlich, dass die Pandemie nur ein Brandbeschleuniger war. Fehlende Zuschauereinnahmen und geringe bis ausbleibende Transfererlöse sind die großen Posten, die die Planbarkeit und finanzielle Sicherheit der Vereine „urplötzlich“ gefährdet haben. Um sich finanziell einigermaßen über Wasser halten zu können, nahm man einen KfW-Kredit in Höhe von 20 Millionen Euro in Anspruch und zeichnete die Anleihe, zu der wir uns bereits in einem vorher veröffentlichten Text geäußert haben. Die Stimmungslage bei den Verantwortlichen im Verein macht aufgrund dieser prekären Situation den Eindruck, als sei das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht und die Bereitschaft für einen Investor ein gutes Stück gestiegen. Es wirkt sogar fast so, als wäre die finanzielle Schieflage und die damit einhergehende Stimmung ein willkommener Anlass, um endlich einen Investor an Bord zu holen und zwar mit dem Segen eines Großteils der Fans.

Das Thema „strategischer“ Investor geisterte die letzten Jahre immer wieder durch die Medien. Mit dem Amtsantritt von Filbry erhoffte sich der Verein durch seine Vernetzung und Erfahrungen große Fortschritte, suchte unter anderem in Fernost, kam aber glücklicherweise immer ohne Vollzugsmeldung zurück. Wir wollen mit dem folgenden Text aufzeigen, dass dieser Ansatz für den SV Werder Bremen unserer Meinung nach falsch ist, wenn nicht sogar gefährlich ist. Wir haben den Eindruck, dass vielen vor allem die Gefahren und Tücken eines „großzügigen“ Geldgebers ausblenden oder einfach nicht bekannt sind.

Es gibt verschiedene Aspekte, die wir bei einem Einstieg eines Investors im Hinterkopf behalten sollten. Einen dieser Aspekte haben wir in der Sommerpause 2019 mit dem Verkauf der Namensrechte am Weserstadion leidvoll miterlebt. Eine Immobilienfirma vom Arsch der Welt ohne jeglichen Bezug zu unserer Stadt und unserem Verein wird 10 Jahre lang jeden noch so kleinen Fleck im und rund ums Stadion nutzen, um für ihre kritikwürdigen Geschäfte Werbung zu machen. Der Einstieg eines Geldgebers ist folglich immer mit einer Gegenleistung verbunden. Wer Geld einpumpt, möchte auch mitbestimmen! Beim Stadionnamen haben noch viele drüber hinweggesehen, es sei schließlich nur ein „Vorname“, aber wo wird die Grenze gezogen?

Bei größeren Geldsummen könnte es dann auf einmal um die Vereinsfarben, das Logo oder – siehe Leipzig – auch um den Namen des Vereins gehen. Stück für Stück würde man seine Identität verlieren, um für einen Geldgeber Werbung zu machen. Darüber hinaus ist es auch bekannt, dass ein Investor seine Ideen und Vorstellung bezüglich verschiedener Positionen im Verein durchsetzen möchte. Wer besetzt den Aufsichtsrat, welcher Trainer soll engagiert werden oder welcher Spieler wäre aus Sicht des Investors eine Bereicherung. Solche Szenarien konnte man nicht unweit von Bremen zahlreich beobachten und am Ende des Tages hat es nur Unruhe in den Verein gebracht, wenn ein Geldgeber meint, er müsse Fußball Manager spielen.

Ein Investoreneinstieg würde auch zur weiteren Spaltung zwischen den Fans und dem Verein führen. Dabei ist es letztendlich egal, wer da kommt und sich in der Pauliner Marsch breitmacht, es würde auf jeden Fall zu einem weiteren Identifikationsverlust führen. Werder hat bei der Wahl eines strategischen Partners aus Sicht der Fans in den vergangenen Jahren schon oft genug danebengegriffen.

KIK mit seinen katastrophalen Arbeitsbedingungen als Textildiscounter, bwin ein Unternehmen aus dem Glücksspiel-/Wettbereich, Citybank als einer der Mitverursacher der Weltfinanzkrise 2008, der Massentierhaltungsmogul Wiesenhof oder auch Wohninvest ein Unternehmen, das mit Immobilien spekuliert und nicht unwesentlich zu dem krassen Anstieg von Mietpreisen beiträgt.

Glaubt denn ernsthaft jemand, dass bei der aktuellen Lage ein lupenreiner Investor einsteigen würde, der nicht sein Image mit dem noch gut angesehenen Verein Werder Bremen reinwaschen will? Aber am Ende des Tages spielt es auch keine Rolle, ob ein „gutes“ oder „schlechtes“ Unternehmen anklopft. Denn mit dem Investoreneinstieg würde man sich auch in Bremen nur noch weiter von der Basis entfernen. Die letzten Monate haben doch eindrucksvoll gezeigt, dass der normale Fan die immer weiter fortschreitende Kommerzialisierung und die absurde Ausschlachtung des Volkssports Fußball ablehnt!

Verhältnisse wie in England, wo hinter fast jedem Verein ein Investor steht, haben den Fußball dort für den normalen Arbeiter fast unbezahlbar gemacht und die englische Fußballkultur, wie man sie aus alten Zeiten kennt, findet man nur noch in den unteren Ligen. Denn eines ist doch auch klar, in erster Linie ist ein Investor natürlich an einer Gewinnmaximierung interessiert. Für sein Investment erhofft er sich eine Wertsteigerung im Verein. Sei es nun durch sportlichen Erfolg, Vermarktung von Spielern oder auch höhere Einnahmen im Ticketing, Catering oder Ähnlichem. Wo in der Vergangenheit vielleicht noch eher auf das Wohl der Fans geachtet wurde, stehen nun die blanken Zahlen im Fokus.
Ein Verein lebt durch das Engagement und die Mitbestimmung seiner Mitglieder und Fans – Investoren oder gar die Aufhebung der 50+1 Regel würden diesen Einfluss kippen.

Bedeutet denn mehr Geld nicht auch mehr Erfolg? Beispiele wie Uerdingen, Kaiserslautern oder Hamburg zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Wer aufmerksam diese Vereine verfolgt hat, sieht, welch eine Unruhe dort herrschte und wer dann noch auf die Tabellen guckt, sieht das keiner dieser Vereine vor uns steht. Und das ist verdammt schwer (Hertha mal außen vorgelassen). Sportlichen Fortschritt nur mit mehr Geld zu verbinden ist daher falsch! Auch in Berlin wurden bereits über 200 Millionen Euro investiert und vom Big City Club gesprochen, zu sehen ist davon allerdings nicht viel. Sportlich befindet man sich wohl eher auf unserer Augenhöhe als mit Bayern und Co. Oder auch Uerdingen – dort ist viel Geld von Ponomarev in den Verein gepumpt worden, ebenfalls ohne Erfolg. Am Ende hat er das Interesse verloren und nun ist ein armenischer Investor eingestiegen. Wünscht man sich solche Szenarien für unseren SVW?

Statt immer mehr Geld für das Gehalt der Spieler oder die Honorare der Berater zu zahlen, sollte man anfangen, die Strukturen zu überdenken. Die Pandemie hat doch eindrucksvoll gezeigt, dass gewaltig was schiefläuft. Vereine mit Millionenumsätzen waren bereits nach kürzester Zeit in finanziellen Schwierigkeiten. Eine nachhaltige Ausrichtung mit moderateren Gehältern und die Stärkung der Jugendarbeit sollten viel eher das Ziel unseres SV Werder Bremen sein, als sich auf dem schnellen Geld durch einen Investor auszuruhen!

Der sportliche Abstieg muss nun ein Startschuss sein, den Verein wieder auf solide Beine zu stellen. Finanziell nachhaltig zu gesunden, eine kämpferische, attraktive Spielweise mit jungen, hungrigen Spielern, die alles für die Farben grün-weiß auf dem Platz geben. Hierzu muss eine Aufbruchsstimmung rund um den Verein spürbar sein und die Verantwortlichen müssen das Vertrauen der Fans haben. Ein Neustart, der nur in Verbindung mit der Identifikation der Fans nachhaltig erfolgversprechend ist. Um diese Identifikation zu rechtfertigen, sollte sich der Verein schnellstmöglich klar gegen einen Investor aussprechen und die Energien in den Aufbau einer soliden Basis stecken!

15. Juni 2021

Ruhe in Frieden Jörn

Kategorien: Allgemein
25. Mai 2021

Die Wahrheit liegt auf dem Platz – Personelle Konsequenzen in allen Bereichen, jetzt!

Kategorien: Texte

Der zweite Abstieg aus der Bundesliga in der Vereinshistorie unseres SV Werder ist seit Samstag Gewissheit. Unsere Emotionen und Gedanken sind nach wie vor schwer in Worte zu fassen. Auch wenn es in den letzten Jahren schon mehrfach auf ein Herzschlagfinale zum Klassenerhalt hinauslief, hat die Mannschaft in den letzten 10 Bundesligaspielen dieser Saison einen Offenbarungseid abgelegt.

Alle Verantwortlichen müssen sich an den Leistungen der Lizenzmannschaft messen lassen. Die Wahrheit liegt demnach auf dem Platz und die Kompetenz sowie die Entscheidungen der handelnden Personen spiegeln sich in dem Abschneiden der Bundesligamannschaft wieder. Aus diesem Grund kann es aus unserer Sicht nur einen kompletten personellen Neustart in der 2. Liga geben. Nicht nur die Mannschaft auf dem Platz muss wieder ein anderes Gesicht zeigen, sondern auch die Verantwortlichen stellvertretend für den kompletten SV Werder Bremen.

Die finanzielle Schieflage und nun der Abstieg darf in keinem Moment dazu führen, die Werte und Traditionen des Vereins aufzugeben. Die Eigenständigkeit muss weiterhin gewährt sein. Kein Investor oder „strategischer Partner“ darf der Einzug gewährt werden und auch das schnelle Geld durch den Verkauf von Anteilen darf keine Lösung sein. Stattdessen muss die finanzielle Situation durch eine klare Vereinsphilosophie sukzessive wieder verbessert werden.

Trotz wenig Geld, aber solider, aufopferungsvoller Arbeit und guten Entscheidungen der Verantwortlichen kann die alte fußballerische Stärke zurückgewonnen werden. Diese Trendwende trauen wir der aktuellen Führung nicht mehr zu. Daher fordern wir: Personelle Konsequenzen auf allen Ebenen und in allen Bereichen!

Wanderers Bremen

3. Mai 2021

CL-Reform, Super League und die Folgen für den Fußball

Kategorien: Allgemein

Moin Werder-Fans,

was sind das für nervige Wochen als Fan des Fußballs und vor allem als Fan von Werder Bremen. Die Mannschaft holt seit Wochen keine Punkte mehr und wir schauen wieder einmal in den Rachen des Abstiegs. Zudem haben wir nicht einmal die Möglichkeit, unser Team in gewohnter Manier nach vorne zu schreien. Es existiert eine Gesamtsituation rund um unseren Verein, die uns nahezu ohnmächtig zurücklässt. Darüber hinaus sehen Werders Zukunftsaussichten absolut gruselig aus. Nichtsdestotrotz schauen wir auch in dieser schwierigen Situation über den Tellerrand hinaus. Die europäischen Verbände und ihre Funktionäre denken sich eine durchgeknallte Reform nach der anderen aus und zwingen uns zum Handeln.

Hatte man zu Beginn der vermaledeiten Pandemie noch die Hoffnung, dass die Vereine und Verbände sich ein Stück weit die vehemente Kritik, die von allen Seiten auf das überdrehte Fußballbusiness einschlug, zu Herzen nehmen, ist nun das genaue Gegenteil eingetreten. Super League, Reform der Champions League (CL), Euro League (EL) und dann noch diese – was auch immer das sein soll – Europe Conference League (ECL). Wir ersparen uns und euch an dieser Stelle die Einzelheiten der neuen Formate und wollen viel mehr unsere grundlegende Kritik hieran äußern.

Die Super League erst einmal außen vorgelassen; stellen die Reformen der CL, EL und die Einführung der ECL in erster Linie die Etablierung eines sehr unfairen Drei-Klassen-Systems des europäischen Fußballs dar. Diese Reformen sollen nach außen hin eine Durchlässigkeit und besondere Freundlichkeit auch für die kleineren Verbände suggerieren, indem sich die jeweiligen Sieger auch für den nächsthöheren Wettbewerb qualifizieren und dadurch, dass die ECL vor allem für die kleineren Verbände gedacht ist. Doch letzten Endes etablieren diese Reformen lediglich eine Verfestigung des bestehenden Ungleichgewichts zwischen den kleinen und großen Vereinen und kleinen und großen Ligen Europas.

Ziel dieser Reformen ist einzig und allein die Akquise von Geld, ganz viel Geld. So viel Geld, dass vermeintlich alle davon profitieren können. Aber falsch; das Geld geht nur an die Top-Klubs – die Vereine, die ohnehin im Geld schwimmen, die die fetten Investoren haben und dadurch seit Jahren, nein seit Jahrzehnten eh schon die ersten Plätze der europäischen Top-Ligen besetzten.

Wie absurd und von reinem Profitdenken diese ganze Angelegenheit gesteuert ist, zeigt nicht zuletzt die Einführung der Super League, die bis dato nur 42 Stunden bestand hatte. Die Champions League, die seit Einführung in ihrer heutigen Form 1992, ab dem Achtelfinale die immer wieder gleichen Vereine mit sich bringt, ist nichts anderes als eine „Super League“. Wann war das letzte Mal, dass von den etablierten Top-Klubs mal einen Ausreißer gab und ein Verein aus den kleinen Ligen oder ohne das große Investorenkapital im Rücken plötzlich den Weg in die letzten Runden der CL geschafft hat?

Damit das auch ja nicht passiert, wurde in der CL-Reform festgeschrieben, dass, falls der Fall der Fälle eintritt und sich einer der etablierten Top-Klubs mal eine schlechte Saison erlaubt und sich nicht für einen der Wettbewerbe qualifiziert, hier ein Rettungsschirm greift, der ihnen durch eine Hintertür dann doch die Qualifikation für die CL erlaubt.

Alles in allem führen diese ganzen Reformen nur dazu, dass die reichen Vereine und Funktionäre noch reicher werden und die armen Vereine arm bleiben. Da wirkt es fast so, als wäre die kurze Einführung und dann wieder Revidierung der Super League ein reines Ablenkungsmanöver von der Reform der CL gewesen. Der Empörungsschrei in ganz Europa war zu Recht gewaltig, doch verbleibt nun die Empörung über die CL-Reform eher ruhiger, stellt sie doch das kleinere Übel dar.

Aus rein marktwirtschaftlicher Perspektive im Sinne der Profitmaximierung stellen die Reformen in dieser Form einen absolut logischen Schritt dar. Mehr Spiele bedeuten mehr Geld, je hochklassiger die Kontrahenten, desto mehr Zuschauer vor den Fernsehern und umso mehr klimpert das Geld in den Kassen. Doch was hier übersehen wird – und das zeigt offenkundig, wie weit weg die Funktionäre der Verbände von den Fans in den Stadien sind – ist, wo der Fußball herkommt.

Der Fußball ist gewachsen durch harten sportlichen Wettbewerb, oft sehr ungewissen Ausgang, aus der Arbeiterschaft und zunächst ohne das große Geld. Der Fußball ist gewachsen durch die Leidenschaft der Spieler auf dem Platz und den Fans auf den Rängen, ohne dabei an jedwede Profitmaximierung zu denken. Natürlich war es im Verlauf der Geschichte unvermeidbar, dass sich der Fußball der kapitalistischen Logik unterwirft, doch dass dies dazu führt, dass nun alle Fairness und Wettbewerb, die unseren Sport auszeichnen, ad absurdum geführt sind, darf es nicht bedeuten.

Es braucht Reformen des europäischen Fußballs, aber bitte in die andere Richtung. Die Ligen und Wettbewerbe müssen gleiche Voraussetzungen für alle in gleichem Maße schaffen. Das heißt, es braucht eine europaweite faire Verteilung der TV-Einnahmen, die sich unabhängig von sportlichem Erfolg kennzeichnet. Es braucht eine faire Deckelung der Spielergehälter, die dafür sorgt, dass ein Spieler nicht direkt zum nächstbesseren Vertrag wechselt und dass sich die an die Spieler ausgezahlten Gehälter nicht fern aller gesellschaftlichen Realität finden. Wie kann es sein, dass ein einziger Spieler im Monat mehr verdient als eine gesamte Pflegekraftbelegschaft eines Krankenhauses?

Es braucht eine faire Verteilung der Startplätze für die CL auf ganz Europa, sodass nicht nur die Reals, Chelseas oder Bayerns sich Jahr für Jahr in den letzten Runden der europäischen Wettbewerbe wiederfinden. Damit auch die Nationen und Ligen mit ihrem vielfältigen und schönen Fußball und Fankulturen die Möglichkeit bekommen, die großen Pötte zu holen. Denn die europäischen Wettbewerbe haben sich gerade dadurch ausgezeichnet, dass per Losverfahren die ganz großen und unterschiedlichsten Vereine Europas gegeneinander spielen und dass nicht jedes Jahr, sondern selten und per Zufall. Und vor alle dem braucht es eine Reform der veralteten und mafiösen Strukturen der UEFA und der größeren Verbände Europas hin zu demokratischeren und transparenten Strukturen für die Fans und Vereine.

Wir appellieren an alle Fans des Fußballs: Bleibt kritisch, glaubt nicht den Lügen und Mythen der Verbände! Steht ein für unseren Sport, der sich nicht durch pervers hohe Spielergehälter, Ablösesummen und unfaire Wettbewerbsbedingungen auszeichnet!

Wanderers Bremen