9. September 2009

Spieltags-Zerstückelung

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So gut wie jedem Fußball-Fan gehen die neuen Anstoßzeiten und die Zerlegung der Spieltage auf den Sack. Verständlich, denn wie kommen wir Bremer denn vom vermeintlichen „Topspiel“ am Samstagabend aus z.B. Gelsenkirchen zurück? Mit dem kostengünstigen und üblichen Wochenendticket sicher nicht. In der vergangenen Saison wurde wie gewohnt um 15:30 Uhr am Samstag das Leder angetreten und es ging 2 x 45 min darum, wer die meisten Tore schießt. Raus aus dem Stadion, rein in die Kneipe und die Ergebnisse der anderen Partien erfragen. Am Ende des Tages konnte man sich noch schön die Sportschau reinziehen um alle restlichen Infos und gute Szenen der anderen Spiele zu sehen. Heute interessieren wir Fans aber nicht mehr. Weder die Vereine noch der DFB haben Interesse an uns. Es geht nur noch darum dem Pay-TV hinterher zu laufen und vermarktungsgerecht den „Volkssport“ Fußball zu verkaufen. Die Fans, die bei Wind und Wetter jedes Wochenende aufs Neue im Stadion stehen und ihrer Mannschaft überall hinterher reisen, interessieren nicht mehr. Warum auch? Denn von solchen Leute sind Konzerne wie Sky nun wirklich nicht abhängig. Wichtig sind nur die Zuschauer die zuhause vor den Matscheiben hängen und im Monat fleißig Unsummen für diesen „Spaß“ bezahlen. Die Fans die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihren Verein überall hin zu folgen sind den TV Konzernen meist nur ein Dorn im Auge. Jedenfalls dann, wenn diese sich erlauben, sich selbst ein Bild zu den herrschenden Zuständen machen, ansonsten werden sie von den Kamerateams nur dazu benutzt um dem geldscheffelndem Topspiel den passenden Rahmen zu geben. Wer will denn nicht gerne auf dem heimischen Sofa jubelnde Fans sehen, die ihre Fahne schwenken, wenn ihr Team das Leder in die Maschen geknallt hat?

Selbstverständlich ist jegliche Kritik an den Pay-TV Plänen unerwünscht! Für diverse Sender wäre es sicherlich ein Traum wenn man alle neun wöchentlichen Bundesligaspiele auf die gesamte Woche verteilen könnte, natürlich nur zur besten Sendezeit. Wenn man diesen Gedanken mal etwas weiter spinnt, dann kommt dem geneigten Fußballfan auch der Gedanke, dass man dann einfach mal am Dienstagabend um 20:15 Uhr in Freiburg spielt. Ausgehend von Bremen wäre dies ein Ding der Unmöglichkeit! Denkbar wäre allerdings auch eine Anstoßzeit um 11:00 Uhr morgens, damit das Spiel zur besten Sendezeit dem asiatischen Markt präsentiert werden kann. Darunter leidet im Endeffekt dann nicht nur der Fan an sich, sondern letztendlich sogar der Verein, der sich dann auswärts vor einem leeren Gästeblock gegen seinen Gegner behaupten muss. Erschreckend ist, dass die eben genannten Konzerne anscheinend so viel Einfluss haben, dass das gewohnte Fußballwochenende seit dieser Saison komplett über den Haufen geschmissen wurde. Von dem gewohnten „Samstag – 15:30 Uhr – Fußball“ ist man inzwischen weit entfernt. Viel mehr ist es jetzt: Freitag – 20:30; Samstag 15:30 UND 18:30; Sonntag 15:30 UND 17:30. Wer steigt da denn überhaupt noch wirklich durch? Keiner! Und was kommt als nächstes? Vielleicht Mittwoch 23:30 Uhr??? Mittlerweile ist man als Fußballanhänger ja schon völlig verunsichert, wenn man sich auf den Weg zum Stadion macht, weil man gar nicht genau weiß, wann angestoßen wird.

Nicht außer Acht lassen sollte man hierbei auch, dass die neuen Anstoßzeiten auch mit dem Amateurfußball kollidieren. Sonntag, 14:00 Uhr, war bislang die gewohnte Anstoßzeit in der 3. Liga und allen unteren Amateurligen. In der Bundesliga wird seit dieser Saison am Sonntag allerdings schon um 15:30 Uhr angestoßen, während z. B. in der Regionalliga das Spiel vielleicht gerade in die entschiedene Schlussphase geht. Klar ist hierbei auch, dass so den Amateurmannschaften Massen an zahlenden Zuschauern weggerissen werden, was die finanzielle Schere zwischen den „großen“ und „kleinen“ Vereinen in der nächster Zeit noch größer werden lässt. Die Chance auf eine Übertragung im freiempfangbaren Fernsehen geht gen Null und auch die vielleicht bereits geplanten Zuschauereinnahmen fließen nicht in die Vereinkassen.

Genau wegen diesem Durcheinander gab es am vergangenen Spieltag, an dem unsere grün-weiße Elf gegen die alte Dame aus Berlin antreten musste, eine kleine Spruchband-Aktion um einmal auf diesen Umstand hin zu weisen. Dazu zeigten die Harlekins in ihrem Block ein Spruchband auf dem zu lesen war „Die Kehrseite des Pay-TV: Spieltagszerstückelung!“, darunter wurden wild durcheinander die verschiedenen Ankickzeiten gezeigt. Passend zu dem Durcheinander noch ein weiteres Transpi mit der Aufschrift: „Wer blickt da noch durch?“. Im Anschluss gab es mit uns ein gemeinsames Spruchband. Gesamt ergab dies „Der Reiz eines SPIELTAGES verliert sich im Wirrwar einer SPIELWOCHE!“.