17. November 2009

50+1 – denkt nochmal drüber nach

Kategorien: Allgemein, Texte

Kaum eine Thematik rund um den Fußball zieht momentan solch mediale Aufmerksamkeit auf sich wie die besagte 50+1-Regelung. Manch einem ist die enorme Bedeutung eben selbiger Regelung überhaupt nicht bewusst und für viele keimt die Frage auf, was denn daran überhaupt so wichtig sei.
Beginnen wir mit der trockenen Theorie. Die 50+1-Regelung ist ein Paragraph der Statuten der Deutschen Fußball Liga. Sie besagt stupide ausgedrückt, dass kein Milliardär a la Hopp, kein Scheich, und kein sonstiger Investor, die absolute Mehrheit, also 51% der Anteile eines Fußballvereines übernehmen darf. Sollte dies dennoch der Fall sein, bekommt dieser Verein keine Lizenz und ist somit nicht berechtigt Spiele im Rahmen der DFL auszutragen. Leider Gottes wird diese Regelung immer wieder und immer mehr hinterwandert bzw. kritisiert und über sie diskutiert. So zuletzt geschehen durch Martin Kind, Präsident des Hannoverschen SportVereins, der sie auf der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes am 10. November 2009 auf die Tagesordnung gebracht und zum großen Thema gemacht hat.
Glücklicherweise stellen sich schon im Vorfeld klar die Mehrheit der Bundesligisten gegen das Aufheben dieser Regelung und auch gegen die Anerkennung einer Konsens-Lösung.
So kam es auch, dass bei der Mitgliederversammlung am vergangenen Dienstag lediglich eine Stimme, vermutlich von Herrn Kind selbst, für die Aufhebung dieser Regelung stimmte und seine Pläne somit vorerst ad acta gelegt wurden.
Leider ist der Kampf gegen den modernen Fußball und in diesem Falle speziell gegen die Person Martin Kind bzw. dessen Pläne noch lange nicht gewonnen. Bereits im Vorfeld kündigte er an, dass er im Falle einer Ablehnung der Änderung dieser Regelung es in Erwägung ziehe vor das Schiedsgericht des Deutschen Fußball-Bundes oder vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen.
Blanke Theorie hin oder her. Was will der Mann damit bezwecken? Wieso soll sie überhaupt außer Kraft gesetzt werden? Ganz einfach: Er will Verhältnisse wie beispielsweise in England schaffen. D.h. er will, dass die Bundesliga für große Investoren „interessanter“ wird, und sie auch mehr als 49% der Anteile an einem Verein erwerben können. Für den Pay-TV-Schauer vor dem heimischen Fernseher sicherlich eine sehr interessante These. So würde man bald in den heimischen Signal-Iduna-Parks, Commerzbank-Arenen, Playmobil-Stadien, etc. auch die ganz großen Stars begrüßen können und würde tollen Fußball präsentiert bekommen. Die Bedeutung für Fans, Fanszenen und Fankultur sollte bzw. darf hierbei aber absolut nicht vergessen werden. Es reicht doch schon, dass heilige Namen wie Westfalenstadion durch lächerlich klingenden Sponsoren-Namen getauscht werden und die Kommerztrommel kräftig gerührt wird. Ein Aufheben eben selbiger Regelung würde für den treuen Fan, der Woche für Woche seiner Mannschaft hinterherfährt, drastische und nicht hinnehmbare Folgen haben. Die Eintrittspreise würden zwangsläufig in die Höhe schnellen und ein Stadionbesuch zum Luxusgut werden, so geschehen z. B. in England. Kein normaler Mensch könnte sich mehr einen regelmäßigen Stadionbesuch leisten und ein riesen Stück Fankultur würde deutschlandweit wegbrechen. Für Wirtschafter wie Martin Kind völlig uninteressant. Sie interessiert nur die Wirtschaftlichkeit des eigenen Unternehmens (Vereins). Jeder Fan, dem etwas an der Sache Fußball liegt, egal ob Ultra‘, „Normalo“, Kutte oder Pay-TV-Schauer muss alles in seiner Macht stehende dafür tun, dass eben besagte Regelung erhalten bleibt und dass Martin Kind seine Pläne aufgibt.
Vorerst scheint er gescheitert, aber es bleibt abzuwarten zu welchen Schritten er als nächstes bereit ist und inwieweit er sie umsetzt. Der Kampf geht weiter. Lasst den modernen Fußball nicht komplett gewinnen – 50+1 MUSS bleiben. Heute, Morgen und für alle Zeit!

9. September 2009

Spieltags-Zerstückelung

Kategorien: Texte

So gut wie jedem Fußball-Fan gehen die neuen Anstoßzeiten und die Zerlegung der Spieltage auf den Sack. Verständlich, denn wie kommen wir Bremer denn vom vermeintlichen „Topspiel“ am Samstagabend aus z.B. Gelsenkirchen zurück? Mit dem kostengünstigen und üblichen Wochenendticket sicher nicht. In der vergangenen Saison wurde wie gewohnt um 15:30 Uhr am Samstag das Leder angetreten und es ging 2 x 45 min darum, wer die meisten Tore schießt. Raus aus dem Stadion, rein in die Kneipe und die Ergebnisse der anderen Partien erfragen. Am Ende des Tages konnte man sich noch schön die Sportschau reinziehen um alle restlichen Infos und gute Szenen der anderen Spiele zu sehen. Heute interessieren wir Fans aber nicht mehr. Weder die Vereine noch der DFB haben Interesse an uns. Es geht nur noch darum dem Pay-TV hinterher zu laufen und vermarktungsgerecht den „Volkssport“ Fußball zu verkaufen. Die Fans, die bei Wind und Wetter jedes Wochenende aufs Neue im Stadion stehen und ihrer Mannschaft überall hinterher reisen, interessieren nicht mehr. Warum auch? Denn von solchen Leute sind Konzerne wie Sky nun wirklich nicht abhängig. Wichtig sind nur die Zuschauer die zuhause vor den Matscheiben hängen und im Monat fleißig Unsummen für diesen „Spaß“ bezahlen. Die Fans die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihren Verein überall hin zu folgen sind den TV Konzernen meist nur ein Dorn im Auge. Jedenfalls dann, wenn diese sich erlauben, sich selbst ein Bild zu den herrschenden Zuständen machen, ansonsten werden sie von den Kamerateams nur dazu benutzt um dem geldscheffelndem Topspiel den passenden Rahmen zu geben. Wer will denn nicht gerne auf dem heimischen Sofa jubelnde Fans sehen, die ihre Fahne schwenken, wenn ihr Team das Leder in die Maschen geknallt hat?

Selbstverständlich ist jegliche Kritik an den Pay-TV Plänen unerwünscht! Für diverse Sender wäre es sicherlich ein Traum wenn man alle neun wöchentlichen Bundesligaspiele auf die gesamte Woche verteilen könnte, natürlich nur zur besten Sendezeit. Wenn man diesen Gedanken mal etwas weiter spinnt, dann kommt dem geneigten Fußballfan auch der Gedanke, dass man dann einfach mal am Dienstagabend um 20:15 Uhr in Freiburg spielt. Ausgehend von Bremen wäre dies ein Ding der Unmöglichkeit! Denkbar wäre allerdings auch eine Anstoßzeit um 11:00 Uhr morgens, damit das Spiel zur besten Sendezeit dem asiatischen Markt präsentiert werden kann. Darunter leidet im Endeffekt dann nicht nur der Fan an sich, sondern letztendlich sogar der Verein, der sich dann auswärts vor einem leeren Gästeblock gegen seinen Gegner behaupten muss. Erschreckend ist, dass die eben genannten Konzerne anscheinend so viel Einfluss haben, dass das gewohnte Fußballwochenende seit dieser Saison komplett über den Haufen geschmissen wurde. Von dem gewohnten „Samstag – 15:30 Uhr – Fußball“ ist man inzwischen weit entfernt. Viel mehr ist es jetzt: Freitag – 20:30; Samstag 15:30 UND 18:30; Sonntag 15:30 UND 17:30. Wer steigt da denn überhaupt noch wirklich durch? Keiner! Und was kommt als nächstes? Vielleicht Mittwoch 23:30 Uhr??? Mittlerweile ist man als Fußballanhänger ja schon völlig verunsichert, wenn man sich auf den Weg zum Stadion macht, weil man gar nicht genau weiß, wann angestoßen wird.

Nicht außer Acht lassen sollte man hierbei auch, dass die neuen Anstoßzeiten auch mit dem Amateurfußball kollidieren. Sonntag, 14:00 Uhr, war bislang die gewohnte Anstoßzeit in der 3. Liga und allen unteren Amateurligen. In der Bundesliga wird seit dieser Saison am Sonntag allerdings schon um 15:30 Uhr angestoßen, während z. B. in der Regionalliga das Spiel vielleicht gerade in die entschiedene Schlussphase geht. Klar ist hierbei auch, dass so den Amateurmannschaften Massen an zahlenden Zuschauern weggerissen werden, was die finanzielle Schere zwischen den „großen“ und „kleinen“ Vereinen in der nächster Zeit noch größer werden lässt. Die Chance auf eine Übertragung im freiempfangbaren Fernsehen geht gen Null und auch die vielleicht bereits geplanten Zuschauereinnahmen fließen nicht in die Vereinkassen.

Genau wegen diesem Durcheinander gab es am vergangenen Spieltag, an dem unsere grün-weiße Elf gegen die alte Dame aus Berlin antreten musste, eine kleine Spruchband-Aktion um einmal auf diesen Umstand hin zu weisen. Dazu zeigten die Harlekins in ihrem Block ein Spruchband auf dem zu lesen war „Die Kehrseite des Pay-TV: Spieltagszerstückelung!“, darunter wurden wild durcheinander die verschiedenen Ankickzeiten gezeigt. Passend zu dem Durcheinander noch ein weiteres Transpi mit der Aufschrift: „Wer blickt da noch durch?“. Im Anschluss gab es mit uns ein gemeinsames Spruchband. Gesamt ergab dies „Der Reiz eines SPIELTAGES verliert sich im Wirrwar einer SPIELWOCHE!“.

11. Mai 2009

Aktionen zum Bundesliga-Derby

Kategorien: Allgemein, Texte, Wanderers

Da es beim gestrigen Derby eine Flut an Aktionen und Spruchbändern gab, möchten wir kurz aufführen welche dieser Aktionen von uns waren und diese kurz erläutern.

1. Lollies
Am Morgen machten sich die Wanderers mit einigen netten Mädels auf den Weg nach Hamburg. Dort wurden von uns dann Grün/Rote Fußball-Lollies an die Fans am Bahnhof in Hamburg verteilt. Je böser sie aussahen desto mehr Lollies gab es. Insgesamt verteilten wir 2.000 Lollies im Feindesland an den hässlichen Anhang der Hamburger. In mitten der Gegner machten wir uns also einen feinen Spaß daraus sie alle zu verarschen. Dazu gab es ordentlich Verweise auf die Homepage www.lollie-girls.tk
Im Stadion machten wir den Hamburgern dann klar, das wir es waren die ihnen die netten Lollies vorbeigebracht haben. Dazu das Spruchband: „BREMER LOLLIES FÜR HAMBURGER LUTSCHER!“


2. CHING, CHANG, CHONG
Als der Hamburger Anhang seinen Marsch zum Weserstadion startete zeigten wir auf der Hochstraße am Bahnhof ein Transparent mit der Aufschrift „CHING, CHANG, CHONG – PAPIER SCHLÄGT STEIN“ als Anspielung auf den Angriff mit Steinen auf die Busse beim Spiel in Hamburg. Mit dem Papier ist natürlich die berühmte Papierkugel gemeint. Dazu schütteten wir säckeweise Papierkugeln auf die Hamburger.
(Fotos gesucht!)

3. Mannschaftsbus
Bevor der Mannschaftsbus der Hamburger das Weserstadion erreichte, verteilten wir einige Ladungen Papier um daraus Kugeln zu formen. Als der Bus am Stadion einfuhr wurde er von einer netten Masse Kugeln vom Deich und vom Ostkurvensaal aus beworfen. Danke an die Mitwerfer.
Animiertes Bild: >> klick <<

4. 22 YEARS
Im Verlauf des Spiels zeigten wir noch das Spruchband „22 YEARS AND NOTHING BUT TEARS“ als Anspielung/Antwort auf die Choreo der Hamburger beim DFB-Pokal-Spiel „22 years never stopped us dreaming“

7. Mai 2009

Materialverbot in Hamburg #2

Kategorien: Allgemein, Auswärts, Texte

Trauriger Alltag

Wir haben uns aus gegebenem Anlass dazu entschlossen einen Vorgang öffentlich zu machen, wie er leider im „Modernen Fußball“ jede Woche geschieht.

Angefangen hat alles mit den Vorbereitungen für eine Kurvenshow zum DFB-Pokal-Spiel in Hamburg. Dort meldeten wir eine Kurvenshow aus gängigen Materialien an. Im Normalfall wird eine solche Aktion immer erst wenige Tage vor einem Spiel auf einer „Sicherheitsbesprechung“ genehmigt oder abgesagt. Daß man aber in 2-3 Tagen keine großen Aktionen basteln, Material bestellen und planen kann, sollte jedem klar sein. Somit haben solche Sachen für Auswärtsspiele meist einen Vorlauf von ca. vier Wochen und eine Gruppe muss Kosten für Material im Bereich zwischen 1000 und 3000 Euro bewältigen.

Die Aktion zum Pokalspiel wurde uns zwei Tage vorher aus Sicherheitsgründen verboten. Auf Nachfrage erhielten wir dann untragbare Argumente wie „Angst vor Pyro“ o.Ä.. Nach guten Gesprächen mit der HSV-Fanbetreuung konnten wir uns mit dem HSV auf einen Deal einigen. Genehmigt wurde eine kleinere Aktion zur optischen Unterstützung unserer Mannschaft. Bei reibungslosem Ablauf wurde eine größere Choreo im Europapokalspiel zugesichert.

Beim Pokalspiel lief alles glatt. Es gab keine der gefürchteten Ausschreitungen oder Pyroaktionen. Es gab sogar positive Rückmeldung von einem der Sicherheitschefs des Gästebereichs.

So waren wir also guter Dinge, daß wir nun zum Halbfinale im UEFA-Cup eine gute Kurvenshow hinlegen könnten, um unserer Mannschaft und den Fans eine würdige Unterstützung und Atmosphäre zu liefern.

Am Montag vor dem Spiel erhielten wir dann die Nachricht, daß der HSV seine Zusage nicht einhalten und uns sämtliche Materialien verbieten würde. Die fertige Kurvenshow, die uns sehr viel Geld und viele, viele Stunden Arbeit gekostet hat, liegt nun also ungenutzt in unseren Lagerräumen. Auch Gespräche mit den Fanbeauftragten vom HSV, unserem Fanbeauftragten und sogar bis hoch zum Vorstand des HSV haben uns nicht weiter gebracht.

Die Begründung seitens des HSV-Stadionmanagements und der Hamburger Polizei ist, daß es angeblich sechs Vorfälle beim Pokal-Spiel gab, die bearbeitet werden mußten. Darin ist von Pyro die Rede. Wir fragen uns nun alle, welche Pyro gemeint sein soll. Im Stadion gab es einmal eine kleine Rauchentwicklung im oberen Bereich der Stehplätze. Diese war ungefähr so stark wie die Rauchentwicklung von drei Zigarren. Dies war eine Aktion von einer einzelnen Person, die wohl kaum mit uns in Verbindung zu bringen ist. Wir als Ultras können einfach nicht die Verantwortung für alle Werderfans übernehmen. Dies zu fordern ist realitätsfremd und total vermessen.

Gestern erreichte uns dann durch eine Pressemeldung von Werder die Nachricht das der HSV und der SVW sich gemeinsam darauf geeinigt haben, jegliche Fanutensilien „die nicht im Fanshop gekauft wurden“ bei den beiden ausstehenden Spielen jeweils im Gästeblock zu verbieten. Diese Entscheidung ist mehr als ein Schlag ins Gesicht eines jeden Werderfans. Wir spielen im UEFA-Cup – Halbfinale in Hamburg und den Fans wird den der Mannschaft zustehende Support so gut wie verboten. Ein weiterer Beweis dafür das es den Verantwortlichen an jeglichem Gefühl und Verstehen der Fanszene fehlt.

Abschließend bleibt zu sagen, daß wir es absolut inakzeptabel finden, wie in diesem Fall mit uns Fans beider Vereine umgegangen wird. Es wird pauschalisiert, es werden sich fadenscheinige Argumente aus den Fingern gesogen und es fehlt den Verantwortlichen sowohl das Gespür für jegliche Art von Fankultur als auch für zwischenmenschliche Beziehungen. Uns alles zu verbieten, eine Abmachung nicht einzuhalten und uns keinerlei Chance auf Rückmeldungen oder Stellungnahme zu Vorwürfen zu geben, ist alles andere als zuträglich für einen gewünschten ach so friedlichen Spieltag. Aber leider meist trauriger Alltag in deutschen Stadien.

Wir wissen noch nicht, wie wir heute beim Spiel mit der Situation umgehen werden. Dazu werden wir uns mit den anderen Ultra-Gruppen auf dem Weg und im Vorfeld beraten. Falls wir heute die Stimmung boykottieren oder andere Aktionen folgen, möchten wir alle Werderfans um Verständnis bitten. Es ist nicht so einfach zu singen und so zu tun, als sei nichts gewesen. Wir haben alle Zeit, Kraft und Geld im Vorfeld dieses Spiels investiert – scheinbar umsonst.

Wanderers Bremen
im Mai 2009