26. Februar 2016

Meinungsfreiheit in Ingolstadt

Kategorien: Texte, Wanderers

Die sportliche Situation beschäftigt uns momentan sicher am meisten. Leider gibt es für uns darüberhinaus noch andere unschöne Dinge, welche uns begleiten. So auch am letzten Spieltag in Ingolstadt. Es sollte an diesem Samstag nicht nur ein Angriff auf die Geschmacksnerven durch unsere Jungs auf dem Platz geben, sondern auch einen auf die Meinungsfreiheit durch den FC Ingolstadt.
Wir hatten eine kleine Aktion vorbereitet, in der es um das Thema Sponsoren, Mäzene und Investoren gehen sollte. Ein Spruchband war gemalt und Flyer gedruckt worden. Das Banner jedoch wurde uns kurzerhand untersagt. Die Begründung ermutigt uns dabei überhaupt erst diese Zeilen zu schreiben, da sie zum Thema wie die Faust aufs Auge passt. Der FC Ingolstadt lässt generell keine Audi-kritischen Spruchbänder zu!
Ein wirklich perfektes Beispiel dafür, wie die Handhabe der Sponsoren, ob nun direkt oder indirekt, zu unschönen Dingen wie ein schlichtes torpedieren der Meinungsfreiheit führen kann. Und das alles ohne, dass auch nur ein kritisches Wort gefallen wäre. Lediglich wollte man die Stadionbesucher motivieren in Zukunft besser hinzuschauen und auch zu sehen, was alles über kurz oder lang zu Problemen führen kann, statt lediglich an den Lippen der Marketingabteilungen der Vereine und Sponsoren zu hängen.

Ihr könnt euch selbst eine Meinung dazu bilden, inwieweit dieses Spruchband nun kritisch ist und ob es ein Verbot rechtfertigt oder nicht.

Wanderers

31. Dezember 2015

Rückblick Hinrunde 2015/2016

Kategorien: Texte, Wanderers

Nach einer ereignisreichen und sportlich durchwachsenen Hinrunde möchten wir die Ereignisse Revue passieren lassen. Vieles ist geschehen, was uns nicht so recht los lässt. Nur das Wenigste ist positiv in Erinnerung geblieben, das Allermeiste jedoch wird uns wahrscheinlich langfristig negativ beeinflussen. Ob sportliche Tiefschläge, menschliche Enttäuschungen, der lange Arm der Staatsgewalt oder polemische Presseartikel, auf nichts durften wir verzichten. Auch der überraschende Sieg im Pokalspiel in Gladbach konnte uns über den schlechten Eindruck, den die Mannschaft auch in den letzten fünf Bundesligaspielen hinterlassen hat, nicht hinweg trösten. Trotz einiger erkennbarer Bemühungen der Spieler, überwintern wir wie schon im letzten Jahr im Tabellenkeller.

Der Anfang allen Übels, zumindest wenn wir auf unsere Gefühlswelt eingehen, liegt schon etwas länger zurück. Mit der nun jahrelang anhaltenden sportlichen Talfahrt geht es uns, wie sicher den meisten Werder-Fans, alles andere als gut. Zuletzt haben wir es noch irgendwie geschafft, das Ruder in der Hand zu behalten und uns den letzten Funken Hoffnung auf bessere Tage nicht zuletzt mit selbst gesetzten Highlights zu erhalten. Zu diesen Highlights zählt auch immer das Nordderby. Die unehrenhafte Niederlage im letzten Derby wirkte wie ein derber Schlag ins Gesicht.

Die Ruhe und das Fingerspitzengefühl, welches uns Werder Fans die letzten Jahre ausgemacht hat, werden derzeit auch durch die Reden der Mannschaft auf eine harte Probe gestellt. Wer immer wieder nur Parolen schwingt, nicht aber einmal beim Derby den Biss hat, diesen auch Taten folgen zu lassen, verhöhnt – übertrieben dargestellt – das Verständnis und die Geduld der Fans und treibt so einen Stimmungsumschwung voran. Es ist für uns besonders wichtig, dass nicht so viel gequatscht wird, sondern uns Fans gezeigt wird, dass der Wille und die Einstellung stimmt – und zwar dauerhaft.

Gegen die Elbstädter gab es für uns nicht nur die sportliche Enttäuschung zu verdauen, sondern auch die fehlende Unterstützung seitens des Vereins bei der Umsetzung einer Idee, die für die Durchführung des „Chaos-Intros“ beim Nordderby gedacht war. In ganzen drei Wochen war es nicht möglich ein 20 sekündiges Video zu erstellen, das über die Leinwände mit einer kleinen Einstimmungsrede durch bspw. unseren Trainer und anschließendem Countdown für den Zeitpunkt des Konfettiwerfens eingespielt werden sollte. Dies hätte unserer Meinung nach sehr geholfen, sowohl um den Zusammenhalt von uns Fans an diesem Tage zu stärken, als auch den Zeitpunkt des Konfettis, wovon unser ganzer Arbeits- und Geldeinsatz nicht unerheblich abhängig war, zu koordinieren.

Abseits des Spielgeschehens sehen wir uns immer mehr mit unangemessenen und überzogenen Polizeieinsätzen konfrontiert. Besonders deutlich wurde dies am 13. Spieltag, kurz nach den Anschlägen von Paris und dem aufgrund einer Terrorwarnung abgesagten Länderspiels in Hannover. Die Polizei wirkte an diesem Tag besonders nervös und gereizt. Dies führte wahrscheinlich zu polizeilichen Maßnahmen, die die Bremer Ultra Gruppen daran hinderten geschlossen nach Wolfsburg zu kommen und die Mannschaft zu unterstützen. Das Vorgehen der Polizei und die mediale größtenteils einseitige Darstellung der Ereignisse führen uns erneut vor Augen, warum wir gegenüber Presse und Staatsmacht skeptisch sind. Unser Team zu unterstützen und ihm quer durchs Land hinterher zu reisen, lassen wir uns auch zukünftig von Niemand verbieten.

Abschließend möchten wir uns bei den fleißigen Choreohelfern und allen Menschen, die uns im vergangen Jahr unterstützt haben, ganz herzlich bedanken. Wir wissen euer Engagement sehr zu schätzen! In sportlich schwierigen Zeiten ist es besonders wichtig zusammenzuhalten und dieses Engagement beizubehalten. Das wünschen wir euch und uns zum Jahresende und verbleiben mit kritischen, aber auch kämpferischen Grüßen.

Wanderers Bremen

22. Dezember 2015

Stellungnahme

Kategorien: Texte, Wanderers

Auf Spiegel online wurde am 22.12.2015 der Artikel – Inhaftierter Werder-Ultra: „Unglückliche Botschaft“ – veröffentlicht. In diesem werden wir in einer Textpassage zitiert.
Wir wollen hiermit betonen, dass diese Aussage keineswegs der Gruppenmeinung entspricht! Der Vorfall wird intern aufgearbeitet.

9. Oktober 2015

Wenn Unterstützung fürs Team erlaubt werden muss!

Kategorien: Texte, Wanderers

Jedes Wochenende in den Stadien rund um den Globus gibt es sie zu bestaunen: bunte und kreative Aktionen und Choreografien!

Sie gelten als Geschenk von aktiven Fans an ihren Verein und sollen meist ihr Team pushen, damit die Spieler noch ein paar Prozente mehr aus sich herausholen. Diese meist über Wochen oder sogar Monate erarbeiteten Kurvenshows sind häufig für viele das Highlight des Spiels. Sie orientieren sich an aktuellen Themen, welche den Fans am Herzen liegen oder setzen sich mit Identifikationsmerkmalen des eigenen Vereins, wie zum Beispiel dem Stadion, den Vereinsfarben, verdienten Spielern oder der Stadt auseinander.

In Mönchengladbach hat man jüngst für eine recht teure Choreografie Spenden gesammelt. Diese Choreo huldigte das hart erarbeitete und zu Recht erreichte internationale Geschäft ihres Vereins und machte diesen Tag noch unvergesslicher für die Stadiongänger. Der Erlös dieser Spenden war überwältigend und zeigte auf, dass die Geschichten, die diese Choreografien erzählen und die Emotionen, die sie transportieren, den Fans einiges wert zu sein scheinen. In dieser Woche allerdings äußerten sich auch die Mainzer Fans zu den Schwierigkeiten bei der Anmeldung ihrer Choreo für das Auswärtsspiel in Darmstadt. Wochen vor dem Spiel wurde beim Gastgeber wegen einer optischen Aktion angefragt. Dadurch, dass kein klares Verbot folgte, sondern man prinzipiell offen sei für eine Choreo, konnten die Arbeiten bei den Mainzern beginnen. Was nun bei Heimspielen, wie im Beispiel der Gladbacher noch ganz gut zu klappen scheint, ist für die Auswärtsfans im Lande allerdings alles andere als gut zu bezeichnen. Denn was kaum jemand weiß ist gängige Praxis. Vorgaben werden den Auswärtsfans öfter gemacht, aber auf der Heimseite ab und zu auch mal vernachlässigt. Der Verein nutzt schließlich auch die Kreativität seiner Fans, um sich besser zu vermarkten. Auswärtsfans und ihr Engagement werden im gleichen Moment jedoch oft lediglich als Risiko gesehen. Deshalb führen unzählige Vorgaben von Polizei, Feuerwehr, Gesetzgeber, Ordnungsdiensten und nicht zuletzt der Vereinsführungen beider Vereine dazu, dass sich die auswärtigen Fans weder ernstgenommen fühlen, noch ihr Aufwand gewürdigt wird. Genau dies scheint häufig seitens des Gastgebers nicht gewollt zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, warum neben den Mainzern und vielen anderen, unserer Aktion in Hannover wieder einmal eine lange Nase gezeigt wurde.
Nun wollen wir einmal anhand unseres jüngsten Beispiels verdeutlichen, was für Schwierigkeiten eigentlich noch hinter so einer kleinen und feinen Aktion oder großen und spektakulären Choreo stecken.
Vom Verein Hannover 96 bekamen wir einige wenige Tage vor dem Spiel einige Auflagen, die wir nicht erfüllen konnten und wollten. Zum einen sollten alle Materialien (Spruchband, Blockfahne, Fahnen und Pappen) aus B1-Material sein, sprich alle Sachen müssen eine gewisse Brandfestigkeitsklasse aufweisen. Alle Zertifikate sollten den Niedersachsen innerhalb kürzester Zeit zugeschickt werden. Zum annderen sollte man nur Pappen in der Größe DIN-A3 verwenden, was jedoch zu keinem geschlossenen Bild geführt hätte. Für uns bedeutete dies nicht mehr und nicht weniger als die Aktion (welche zu diesem Zeitpunkt zu 80% abgeschlossen war) zu den anderen Aktionen zu legen, welche seit Jahren aus ähnlichen Gründen in irgendwelchen Kellern auf ihren Einsatz warten. Denn trotz Anmeldung Wochen vor dem Kick, gab es ein offizielles Statement von Hannover 96 erst wenige Tage davor. Da Vereine, Fanbetreuung und Polizei sich in der Regel erst in der Woche des Spiels treffen, um den Sicherheitsrahmen für die Partie festzulegen, wurden auch erst zu diesem Zeitpunkt die Spielregeln für die Durchführung der Choreo festgelegt. Es sollte den Beteiligten jedoch klar sein, dass mit der Erarbeitung schon weit vor dieser unsäglichen Sicherheitsbesprechung begonnen wird. Denn keiner von uns beschäftigt sich damit hauptberuflich, sondern geht noch einer normalen Arbeit nach.
Die Frage, warum sich in den Vereinen nicht schon deutlich früher mit einer Anfrage einer Choreo beschäftigt wird ist für manche aktive Fans dabei schon gar nicht mehr allzu relevant, hat die gängige fanunfreundliche Praxis der vergangenen Jahre, vorzugsweise bei Auswärtsspielen, doch schon arg abgestumpft. Fraglich ist aber weiterhin, was von den Fanbetreuungen geleistet wird. Denn über Bedingungen einer Choreo die auswärtigen Fans schon deutlich früher zu informieren, ist halt ein Leichtes. Aufgrund dessen wird vermehrt lieber gleich auf andere alternative optische Akzente gesetzt. Über allem steht noch etwas Grundsätzliches: es werden Details eingefordert, welche die Inhalte einer Choreografie oder eines Spruchbandes offenlegen, sich aber mit dem Verständnis vieler Fans so nicht vereinbaren lässt. Auch ist unverständlich, wie der eine Teil des Vereins (Geschäftsführung, Sicherheitsorgane, etc.) von einem anderen Teil (nämlich den Fans) fordern kann, sich die Erlaubnis für entsprechende Aktionen erst einzuholen. Anschließend entscheiden die Personen dann, was für den Verein annehmbar ist und was nicht. Denn lediglich kurzfristige Auflagen an die Fans weiterzugeben, kann bei weitem nicht das Maß aller Dinge sein.

Die Vereine und ihre Fanbetreuungen stellen sich damit ihr eigenes Armutszeugnis aus!

Wanderers Bremen im Oktober 2015