1. Juli 2020

Relegation – Fluch oder Segen?

Kategorien: Allgemein

Moin Werderfans,

Mit einem 6:1 Kantersieg gegen Köln am letzten Spieltag beendet Werder die reguläre Saison auf Platz 16. Die Frage, ob Werder so überragend gespielt hat oder ob Köln den Weg für einen Düsseldorfer Abstieg nicht im Wege stehen wollte, lassen wir mal dahingestellt. Über so einen Sieg freut sich natürlich jeder von uns, schließlich waren Erfolgserlebnisse diese Saison Mangelware. Werder spielte die zweitschlechteste Saison der Vereinsgeschichte, bekommt nun aber durch das Erreichen des Relegationsplatzes noch eine weitere Chance die Saison mit einem blauen Auge abzuschließen. Und genau diesen Umstand wollen wir uns mit euch zusammen noch einmal vor Augen führen. Fluch oder Segen. Für was steht die Relegation?

Versteht uns nicht falsch, jeder von uns wünscht sich für unseren Herzensverein den größtmöglichen Erfolg und keiner möchte Werder in der zweiten Liga kicken sehen. Dennoch haben wir bereits in der Vergangenheit das Thema Relegation kritisiert und können auch jetzt, nur, weil Werder davon profitieren könnte, nicht den Mantel des Schweigens über das Thema legen. Wir können ohne Wenn und Aber sagen, dass die Relegation aus sportlicher Sicht das Gegenteil von Fair Play ist!

Nüchtern betrachtet hat Werder eine katastrophale Saison abgeliefert, das wird keiner bestreiten können. Für diese Leistung belohnt zu werden und dem Zweitligisten eine erfolgreiche Saison zur Nichte zu machen, widerstrebt unserer Meinung nach einem fairen Wettbewerb.

In der Saison 2008/2009 entschied sich die DFL für die Wiedereinführung der Relegation. Dieses Konzept war keineswegs komplett neu, jedoch waren die Gründe für die Durchführung von der Relegation zwischen 1982 und 1991 sicher noch etwas anders gelagert als heutzutage. Die DFL vermarktet diese Spiele mittlerweile als besondere Highlights. Es ging und geht ihr also allein darum, aus dem eh schon völlig aufgeblähten Konstrukt Bundesliga noch weitere Umsätze zu generieren. Der sportliche Wettbewerb wird gegenüber der finanziellen Planungssicherheit von den Bundesligisten hintenangestellt. Am Ende der Saison werden Mannschaften so um den verdienten Aufstieg gebracht, während andere Mannschaften, die konstant spielerisch schlechte Leistungen abgeliefert haben, die Klasse unverdient halten.

Wenn man sich die Aufstiegsspiele in die erste Liga ansieht, dann muss man feststellen, dass sich in acht von elf Relegationen der Erstligist durchgesetzt hat. Eine gute und erfolgreiche Saison in der 2. Bundesliga hat in den meisten Fällen am Ende folglich keinen Wert mehr gehabt, da es die über 34 Spieltage schwachen Erstligisten irgendwie schaffen die Klasse zu halten. Welche Ursachen dieser Umstand hat lässt sich nicht abschließend feststellen. So kann es einerseits an einer psychologischen Vorteilssituation der Erstligamannschaften liegen, dass die Erstligisten freier auftreten können oder an den letztlich doch stärkeren Kadern. Abschließend lässt sich das von uns nicht klären. Auffällig bleibt nur der Überhang an Siegen der Erstligisten.

Mit Bremer Brille schaut man sicherlich etwas kritischer hin, aber dass die Ergebnisse der Relegationen vom ungeliebten Nachbarn mehr als glücklich und unverdient waren, kann sicher keiner abstreiten. Wer hat damals nicht den Underdogs aus Fürth oder Karlsruhe die Daumen gedrückt, welche den Aufstieg sicherlich mehr verdient hatten. Auch das Team aus Braunschweig scheiterte am Ende knapp am Aufstieg und stieg sogar in der Folgesaison in die 3. Liga ab. Was für eine Bereicherung ein „frischer“ Zweitligist wie beispielsweise Union Berlin sein kann, hat man diese Saison eindrucksvoll gesehen.

Die gleiche Situation findet man, wie oben schon erwähnt, auch beim Aufstieg in die zweite Liga wieder. Hier hat zwar in der Vergangenheit das vermeintlich kleinere Team aus der dritten Liga häufiger die Nase vorne gehabt, dennoch sind einige der Relegation zum Opfer gefallen und konnten ihre erfolgreiche Saison nicht mit dem Aufstieg vergolden. Noch absurder wird es, wenn man noch eine Liga tiefer geht und auf die Regionalligen schaut. Auf Grund der Tatsache, dass man seit der letzten Reform in fünf Regionalligen spielt, steigt nicht mal mehr jeder Meister der jeweiligen Liga auf.

Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass der SV Werder Bremen mit dem Erreichen von Platz 16. in der Endabrechnung dieser Saison den direkten Abstieg leider verdient hätte! Auch mit Blick durch die grün-weiße Brille lassen die Leistungen der Mannschaft keinen anderen Schluss zu. Die wideren Begleitumstände dieser Spielzeit wie die Verletzungsmisere, dubiose Entscheidungen des Videoschiedsrichters oder auch die Corona-Unterbrechung dürfen nicht als Argumentation herangezogen werden und somit der mögliche Klassenerhalt gerechtfertigt werden.

Unbestritten wäre ein Abstieg in Liga 2 ein (finanzielles) Desaster für den Verein und würde auch uns Fans hart treffen. Nichtsdestotrotz sind wir Verfechter des gerechten Wettbewerbs.
Daher bleiben wir unserem Standpunkt treu und können diesen guten Gewissens nochmal wiederholen: zurück zu klaren Auf- und Abstiegsregelungen! Die Mühen einer ganzen Saison sollen sich auszahlen und der sportliche Wettbewerb dauerhaft fair gestaltet werden!

In diesem Sinne

Relegation Abschaffen