7. Mai 2009

Materialverbot in Hamburg #2

Kategorien: Allgemein, Auswärts, Texte

Trauriger Alltag

Wir haben uns aus gegebenem Anlass dazu entschlossen einen Vorgang öffentlich zu machen, wie er leider im „Modernen Fußball“ jede Woche geschieht.

Angefangen hat alles mit den Vorbereitungen für eine Kurvenshow zum DFB-Pokal-Spiel in Hamburg. Dort meldeten wir eine Kurvenshow aus gängigen Materialien an. Im Normalfall wird eine solche Aktion immer erst wenige Tage vor einem Spiel auf einer „Sicherheitsbesprechung“ genehmigt oder abgesagt. Daß man aber in 2-3 Tagen keine großen Aktionen basteln, Material bestellen und planen kann, sollte jedem klar sein. Somit haben solche Sachen für Auswärtsspiele meist einen Vorlauf von ca. vier Wochen und eine Gruppe muss Kosten für Material im Bereich zwischen 1000 und 3000 Euro bewältigen.

Die Aktion zum Pokalspiel wurde uns zwei Tage vorher aus Sicherheitsgründen verboten. Auf Nachfrage erhielten wir dann untragbare Argumente wie „Angst vor Pyro“ o.Ä.. Nach guten Gesprächen mit der HSV-Fanbetreuung konnten wir uns mit dem HSV auf einen Deal einigen. Genehmigt wurde eine kleinere Aktion zur optischen Unterstützung unserer Mannschaft. Bei reibungslosem Ablauf wurde eine größere Choreo im Europapokalspiel zugesichert.

Beim Pokalspiel lief alles glatt. Es gab keine der gefürchteten Ausschreitungen oder Pyroaktionen. Es gab sogar positive Rückmeldung von einem der Sicherheitschefs des Gästebereichs.

So waren wir also guter Dinge, daß wir nun zum Halbfinale im UEFA-Cup eine gute Kurvenshow hinlegen könnten, um unserer Mannschaft und den Fans eine würdige Unterstützung und Atmosphäre zu liefern.

Am Montag vor dem Spiel erhielten wir dann die Nachricht, daß der HSV seine Zusage nicht einhalten und uns sämtliche Materialien verbieten würde. Die fertige Kurvenshow, die uns sehr viel Geld und viele, viele Stunden Arbeit gekostet hat, liegt nun also ungenutzt in unseren Lagerräumen. Auch Gespräche mit den Fanbeauftragten vom HSV, unserem Fanbeauftragten und sogar bis hoch zum Vorstand des HSV haben uns nicht weiter gebracht.

Die Begründung seitens des HSV-Stadionmanagements und der Hamburger Polizei ist, daß es angeblich sechs Vorfälle beim Pokal-Spiel gab, die bearbeitet werden mußten. Darin ist von Pyro die Rede. Wir fragen uns nun alle, welche Pyro gemeint sein soll. Im Stadion gab es einmal eine kleine Rauchentwicklung im oberen Bereich der Stehplätze. Diese war ungefähr so stark wie die Rauchentwicklung von drei Zigarren. Dies war eine Aktion von einer einzelnen Person, die wohl kaum mit uns in Verbindung zu bringen ist. Wir als Ultras können einfach nicht die Verantwortung für alle Werderfans übernehmen. Dies zu fordern ist realitätsfremd und total vermessen.

Gestern erreichte uns dann durch eine Pressemeldung von Werder die Nachricht das der HSV und der SVW sich gemeinsam darauf geeinigt haben, jegliche Fanutensilien „die nicht im Fanshop gekauft wurden“ bei den beiden ausstehenden Spielen jeweils im Gästeblock zu verbieten. Diese Entscheidung ist mehr als ein Schlag ins Gesicht eines jeden Werderfans. Wir spielen im UEFA-Cup – Halbfinale in Hamburg und den Fans wird den der Mannschaft zustehende Support so gut wie verboten. Ein weiterer Beweis dafür das es den Verantwortlichen an jeglichem Gefühl und Verstehen der Fanszene fehlt.

Abschließend bleibt zu sagen, daß wir es absolut inakzeptabel finden, wie in diesem Fall mit uns Fans beider Vereine umgegangen wird. Es wird pauschalisiert, es werden sich fadenscheinige Argumente aus den Fingern gesogen und es fehlt den Verantwortlichen sowohl das Gespür für jegliche Art von Fankultur als auch für zwischenmenschliche Beziehungen. Uns alles zu verbieten, eine Abmachung nicht einzuhalten und uns keinerlei Chance auf Rückmeldungen oder Stellungnahme zu Vorwürfen zu geben, ist alles andere als zuträglich für einen gewünschten ach so friedlichen Spieltag. Aber leider meist trauriger Alltag in deutschen Stadien.

Wir wissen noch nicht, wie wir heute beim Spiel mit der Situation umgehen werden. Dazu werden wir uns mit den anderen Ultra-Gruppen auf dem Weg und im Vorfeld beraten. Falls wir heute die Stimmung boykottieren oder andere Aktionen folgen, möchten wir alle Werderfans um Verständnis bitten. Es ist nicht so einfach zu singen und so zu tun, als sei nichts gewesen. Wir haben alle Zeit, Kraft und Geld im Vorfeld dieses Spiels investiert – scheinbar umsonst.

Wanderers Bremen
im Mai 2009