1. Dezember 2016

Derbyhorror 2.0

Kategorien: Texte, Wanderers

Das 100. Derby liegt uns wohl allen noch auf der Zunge. Wohltuend und schmackhaft, so wie ein Derby eben sein muss. Die darauffolgenden Partien waren dann schon nur noch ein Schatten dieses Ereignisses und der Vorangegangenen. Nun scheint es, dass wir endgültig in der Neuzeit angekommen sind. Um das Wesentliche gleich vorweg zu nehmen: Auf dem Platz bot sich eine gemeine Mischung aus nicht Können und später nicht mehr Wollen. Gerade letzteres ist ein unhaltbarer Zustand und einem Derby mehr als unwürdig! Doch auch das drum herum bot, wie schon beim letzten Kick in der Elbstadt, so einiges.

Womit fing der diesjährige Derbyspaß 16/17 an?
Rund um den Verein Derbystimmung wahrzunehmen, das war schon einmal unmöglich. Traurig aber wahr. Zumindest die Szene mobilisierte zum einen personell und zum anderen in Sachen Choreo. Unsere ganz eigenen Bemühungen, auch den Block optisch wieder in Szene zu setzten, verliefen eigentlich ganz zufriedenstellend. Um die teils großen Banner zu fertigen, half uns der Verein in Sachen Infrastruktur. Die Anmeldung unseres Vorhabens beim H?V einige Wochen zuvor war dann allerdings der erste kleinere Knackpunkt. Zwar gab es Aussagen unserer Fanbetreuung, ob die Choreo genehmigt werde, jedoch waren dies wieder einmal eher Schätzungen als konkrete und verlässliche Aussagen. So wusste man bis 4 Tage vor dem Spiel wieder einmal nicht, ob denn nun alles so genehmigt wurde oder nicht. Schlimm genug sich die Unterstützung des Teams überhaupt genehmigen lassen zu müssen. Es ist einfach eine Zumutung immer wieder Geld und Schweiß zu opfern, ohne Gewissheit zu haben.

Am Freitag dann erreichte uns ein Schnappschuss einer Datei aus der vor dem Spiel stattfindenden Sicherheitsbesprechung, wie zu vermuten ist. Dieser machte in der Hamburger Fanszene die Runde und beinhaltete lustige und weniger lustige Details. Zum Verständnis sei einmal gesagt, dass wir dazu gezwungen werden dem gastgebenden Verein die Idee der Unterstützung im Detail aufzuzeigen. Natürlich alles aus fadenscheinigen Sicherheitsgründen. So ist man dann darauf angewiesen, dass diese Details intern unter Verschluss bleiben und nicht in allerhand andere Hände gelangen. So war man schon gut bedient, bevor es überhaupt losging. Die Choreo durchzuziehen war dennoch angedacht. Ganz so leicht lässt man sich dann ja doch nicht aushebeln.

Eines der weniger lustigen Details war jenes, dass das Abhängen der Seiten des Stehbereichs nicht erlaubt sei, da die Bremer Fanbetreuung dies so gewünscht hätte. Eine spannende Geschichte, da sich dies leider mit ähnlichen Vorfällen aus der Vergangenheit deckt. Dass sich dies aus dem Munde unserer Fanbetreuung uns gegenüber jedoch ganz anders anhörte, indem man in dem Glauben gelassen wurde, die Stellinger wären hier die Übeltäter, macht die Sache rund. Als H?V’er würden wir uns indes fragen, warum zum Henker von popeligen 3000 als Unterstützung angemeldeten Luftballons, lediglich 1500 zugelassen sind? Auch das reiht sich nämlich nahtlos in unnötige Verbote und Restriktionen beim Derby ein.

Samstag dann ging es also los. Zwei Haufen Ultras machten sich neben tausend anderen Fans auf den Weg in den Norden. Doch wie schon im Jahr zuvor durfte auch dieses Mal wieder ein Haufen davon die Heimreise bereits vor dem Spiel antreten. Ein weiterer Fall für den Bund der Steuerzahler, denn dieses Mal beschäftigten sich zwei Hundertschaften der Polizei wiederrum mehrere Stunden mit Personalienfeststellungen aufgrund der alternativen Anreise. 238 sollen es letztendlich gewesen sein, die nur zu verständlich diese sogenannte alternative Anreise wählten. Sie waren doch einige Monate zuvor noch Leittragende einer ganz ähnlichen Polizeimaßnahme ohne, dass sich rund um dieses Spiel überhaupt auch nur das Geringste ereignet hätte. Wer möchte da nicht der Wiederholung solch einer Willkür ein Schnippchen schlagen?

Selber stand man im Hamburger Hauptbahnhof gut eineinhalb Stunden gekesselt herum und suchte nach dem logischen Grund dafür. Der wurde jedoch bis dato nicht gefunden, weswegen auch hier von reiner Willkür gesprochen werden darf. Ein Kollege wurde der Gruppe entzogen und auf die Bahnhofswache gebracht um festzustellen, ob dieser an einer Tat aus der Vergangenheit beteiligt gewesen sei. Ein echter Witz, musste der kurzzeitig anwesende szenekundige Bremer Beamte doch wissen, dass die besagte Person an der vorgeworfenen Tat nicht beteiligt war und dies augenscheinlich einen absoluten Blindflug darstellte. Die Maßnahme der Hamburger- und Bundespolizei stellt indes keinen Zufall dar, sondern reiht sich lediglich in die Kategorie „Verarschen und Provozieren“ ein. Anscheinend hätte man gerne auch uns zurückgeschickt, bedurfte es doch nur noch einem konkreten Grund. Was zieht da besser als einfach mal ein „Fehlverhalten“ zu provozieren?! Besagte eineinhalbstunden später dann durften wenigsten wir weiterziehen und standen wenig später vor dem Stadion.

Was also tun? Richtig machst du in so einer Situation ohnehin nichts. Daher wurde die Arbeit der vergangenen Wochen zur Sicherheit ins Stadion geschleppt und im Nachgang wieder in den Bus. Der Block sah weder eine Choreo noch Fahnen. Für den mangelnden Support durften sich alle Anwesenden später bei sich selbst und der unterirdischen Mannschaftsleistung bedanken. Das wohl mieseste Derby seit Gedenken!

Ein wieder mal recht gelungener Derbytag, wenn man auf der Seite der Polizei gestanden hat. Für alle Fußballfans, auch dank der miesen Qualitäten und fehlenden Einstellungen auf dem Platz, und den Steuerzahler eine runde Minusgeschichte.

Wir werden uns jetzt in Ruhe zusammensetzen und Entschlüsse fassen müssen. Es ist Zeit nun auch an sich zu denken!

Wanderers Bremen mit einem gesenkten Blick zurück auf das vergangene Wochenende

5. November 2016

Spruchbanderklärung

Kategorien: Allgemein, Texte, Wanderers

Am letzten Wochenende präsentierten wir in der Ostkurve das Spruchband: „Radio Bremen nur noch ein Haufen Scheiße im Glanze vergangener Tage“. Diese Aussage war aus unserer Sicht längst überfällig. Seit geraumer Zeit muss man leider feststellen, dass die Qualität der Recherche und der Berichterstattung rund um unseren SVW von Radio Bremen zu wünschen übrig lässt. Ob das die allgemeine, ausschließlich negative, Berichterstattung von der sportlichen Situation ist, die blauäugige Kritik an einzelnen handelnden Personen oder aber Meinungen über fanpolitische Themen. Das immer gelobte „ruhige Umfeld“ in Bremen bröckelt – auch dank Radio Bremen.

Zwei konkrete Berichterstattungen aus jüngster Vergangenheit wollten wir dann nun doch so nicht mehr akzeptieren und stillschweigend hinnehmen, weshalb wir sie im Folgenden aufgreifen wollen.
Zum einen ging es um die Textpassage „Nun ist der Trainer beurlaubt und die Ultras entrollten in der Ostkurve ein Transparent aus mit der Aufschrift: „Du bist und bleibst Werderaner – Danke, Viktor“. Diese laue Heuchelei zum Abschied hätte man sich sparen können.“ (Artikel „Werder lebt – verliert trotzdem“ vom 21.09.2016). Ausführlich haben wir unsere Meinung zu Viktor und dem Umgang mit ihm seitens der Medien und der Fans schon vor einigen Wochen geäußert. Bei diesem Statement dann von Heuchelei zu sprechen, entgegnet jeglichem Verständnis und ist so einfach inakzeptabel.

Zum Anderen wurde im Radio kurz vor unserem Gastspiel in Leipzig, nachdem bekannt wurde, dass diverse Ultragruppen zur Unterstützung der Mannschaft das Spiel besuchen werden, berichtet, dass die Werderfans doch eingesehen hätten, dass der RB Leipzig für die Bundesliga doch gar nicht so schlecht sei und per se nichts Schlechtes am Verein festzumachen sei. Dieser Aussage muss man als aktiver Fan mit fankulturellem Verständnis einfach widersprechen und entspricht auch nicht den Tatsachen. Vielmehr zeugt es von schlechter Recherche und einer Meinungsverbreitung, die man in der Form nur von „Boulevard Medien“ gewohnt war.
Vielleicht wachen die Verantwortlichen von Radio Bremen in Zukunft wieder auf und fangen an, ihre Arbeit und Verantwortung ernst zu nehmen.

20. Oktober 2016

Ist das noch unser Sport?

Kategorien: Allgemein, Texte

Das aktuelle Fußballgeschäft ähnelt mittlerweile einer skrupellosen, geldhungrigen Bestie, deren Hunger nach Geld unstillbar scheint. Dabei werden nicht nur Fans, also eben jene, die diesen Sport am Leben erhalten, lediglich als Einnahmequelle gesehen und ansonsten weitestgehend ignoriert. Die Fußballwelt ist verrückt geworden. Dabei sind unvorstellbar große Ablösesummen von Spielern nur die Spitze des Eisberges. Der teuerste Spieler der Welt wurde zur aktuellen Saison für 105 Mio. Euro transferiert. Die „offizielle“ Ablösesumme von einem der Topspieler der Welt beträgt 1 Mrd. Euro. Millionen bei so einem „Deal“ verdienen neuerdings dubiose Spielervermittler.

Beim Thema Geldgier übersteigt die FIFA nicht nur die Vorstellung des „normalen“ Fußballfans, sie ist mit einer Unbändigkeit der Korruption eine Maschinerie der Unmenschlichkeit geworden. Nicht erst seit der Verlosung der WM 2022 an Katar. Versprechungen von Aufschwung und Nachhaltigkeit verpuffen in lächerliche Phrasen, schaut man heute bspw. nach Südafrika. In Katar ist die Ausbeutung von Menschen in Bezug auf die Errichtung von „Upperclass“-Stadien nach westlichen Standards ein Problem, das die FIFA wohl am liebsten totgeschwiegen hätte. Moderner Fußball schafft moderne Sklaverei und verschließt davor nicht nur die Augen, sondern leugnet sie sogar. Ein Bericht von Amnesty International aus dem März diesen Jahres beweist, wie im Golfstaat Katar Arbeitsmigranten ausgebeutet werden, um die Infrastruktur für die Fußballweltmeisterschaft zu errichten. So berichten Bauarbeiter z. B., dass ihnen die Reisepässe abgenommen wurden, um ihre Ausreise aus Katar zu verhindern. Ausstehende Löhne werden teilweise erst mit monatelanger Verzögerung ausgezahlt. Beschwert sich ein Arbeiter, so droht ihm die Abschiebung aus Katar, ohne dass ihm die ausstehenden Löhne ausgezahlt werden. Die katarische Regierung hat bislang wenig gegen diese Arbeitsbedingungen unternommen, auch wenn sie gegen geltendes Recht in Katar verstoßen. Die FIFA weiß von diesen menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, hat bislang jedoch ebenso wenig unternommen, um eine weitere Ausbeutung der Arbeitsmigranten in Katar zu verhindern. Durch diese Untätigkeit ist die FIFA mitverantwortlich dafür, dass die Weltmeisterschaft auf dem Rücken Zehntausender ausgebeuteter Arbeitsmigranten ausgetragen wird.

„RESPECT!“ kreischt derweil die verzogene kleine Schwester der FIFA in Europa. Die UEFA ist in Sachen „RESPECT!“ allerdings auch keine Vorzeige-Organisation. Korruption ist ein offenbar normaler Bestandteil des modernen Fußballgeschäfts in Europa. Sich vor diesem Hintergrund „RESPECT!“ auf die Fahnen zu schreiben, wirkt schon fast zynisch. Einst war der Slogan der UEFA: “ We care about football“ der zutreffender Weise auf „UEFA: We care about money“ umformuliert wurde.

Werden wir noch kleiner und gucken auf den „DFB“. Er ist Teil der FIFA und der UEFA und somit Teil eines korrupten, teils menschenverachtenden Systems. Kritik an geltenden Praktiken Fehlanzeige. Die Geldgier der „großen Geschwister“ hat zu anderen Handlungen erzogen. Selbst der unbestechliche, nicht kritisierbare Kaiser konnte der Macht des Geldes nicht widerstehen.
So ist es schon fast logisch, dass es auch in der Bundesliga keine Grenzen mehr zu geben scheint. Ein Martin Kind von Hannover 96 meint beispielsweise, er wäre der Verein und fordert wie selbstverständlich die Abschaffung einer vereinssichernden 50+1 Regelung. Warum? Um für  Investoren eine Möglichkeit zu schaffen, bei einem Bundesligaclub einzusteigen, um so noch mehr Geld in das Fußballgeschäft der Bundesliga zu pumpen. Alles getarnt unter dem Deckmantel der Konkurrenzfähigkeit gegenüber der anderen Topligen Europas. Bei Dietmar Hopp ist es indes der SAP Spielball „TSG 2005 Hoffenheim“. VW hat ganz nebenbei nicht nur Kunden betrogen, sondern auch den VfL auf Kosten hart arbeitender Vereine groß gemacht. Auch in Ingolstadt darf man nicht frei von Scham sein. Andere Konzerne stehen indes schon in den Startlöchern, um etwas von dem tollen Ruf des Fußballs für ihren eigenen, meist zweifelhaften, abzuschöpfen.

Und nun auch noch RB Leipzig, deren Existenz nur durch Profitgier erklärbar ist. Mit RB Leipzig hat es die Brausefirma aus Österreich auf die Bühne einer europäischen Topliga geschafft. Spielergeschiebe zwischen New York, Salzburg und Leipzig zur Generierung sportlichen Erfolgs ist bereits Alltag. Ein Konstrukt, das frei von dem ursprünglichen Gedanken des Sports gegründet wurde. Frei von jeglichem Bezug zu Heimatort und Spielstätte. Ein Konstrukt das theoretisch wahllos als Etikett auf jeden Verein geklebt werden kann.

Von derartigen Auswüchsen können leider auch Fans des englischen Profifußballs berichten, wo seit Jahren Vereine gekauft, ausgesaugt und wieder ausgespuckt werden. Oder in Spanien, wo oftmals mit erheblichen Steuervorteilen oder staatlichen Zuschüssen Vereine künstlich groß gehalten werden. Auch in Italien weiß man von vielfachen Schiebereien und Korruptionen, gibt dort aber gerne den Fans die Schuld für leere Stadien.

Es dürfte auch so jedem klar sein, dass in unserem Sport einiges ganz gewaltig schief läuft. Zumindest für uns ist es der beste Grund, nicht einfach weg zu schauen oder dem ganzen den Rücken zu zukehren. Angriff ist die beste Verteidigung, weswegen wir uns gegen all dies stemmen.  Am besten mit eurer Hilfe!

Also bleibt launisch, kritisch, laut! Für unseren Traditionsverein und uns selbst!

3. Mai 2016

Für fangerechte Anstoßzeiten – Gegen Spieltagszerstückelung und Montagsspiele

Kategorien: ProFans, Texte, Weltenbummler

Hier der Text aus dem Weltembummler #55, der am vergangenen Montag auf dem Stadionvorplatz und vor den Toren verteilt wurde:

 

Weltenbummler 55 - CoverNach einer turbulenten Woche mit einem herben Rückschlag, geht unser Blick auf das heutige Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Für Fans und Vereine weist dieses Spiel eine erhöhte sportliche Brisanz durch den Abstiegskampf beider Teams auf. Zu allem Überfluss zwingt uns die DFL durch die Terminierung dieser Begegnung an einem Montagabend uns erneut mit dem Thema Anstoßzeiten auseinanderzusetzen.

Am 22.03.2016 veröffentlichte die DFL die Terminierung der Spieltage 30 bis 32, wobei sie für einen Eklat sorgte, indem sie am 32. Spieltag eine Begegnung am Montagabend um 20:30 Uhr festlegte. Dabei beugte sich der Verband dem Druck von Politik und Polizei, aufgrund der hohen Auslastung der Sicherheitskräfte am 01. Mai, keine Bundesligaspiele stattfinden zu lassen. Damit aber nicht genug: Wer die Montagsbegegnung bestreiten sollte, wurde vom Abschneiden der deutschen Vereine in den europäischen Wettbewerben abhängig gemacht. Entweder sollte die Partie SV Werder Bremen vs. VfB Stuttgart oder Borussia Dortmund vs. VfL Wolfsburg am Montag stattfinden. Gewissheit konnte man aber erst nach dem Spiel der Dortmunder in Liverpool am 14.04.2016 haben. Des Weiteren wurde die Anstoßzeit des Montagsspiels der 2. Bundesliga auf 18:30 Uhr vorverlegt, damit die Spiele nicht zeitgleich stattfinden.

Für aktive Fans ist dieses Vorgehen der DFL ein weiteres klares Signal, dass ihre Interessen nicht wertgeschätzt werden und wirtschaftliche Faktoren im Vordergrund stehen. Wenn diese Entwicklung so weiter voranschreitet, sehen wir die Zukunft des Fußballs, wie wir ihn lieben, gefährdet.

Wer profitiert von dem Montagsspiel?
Es ist zu vermuten, dass sich die DFL durch ein gesondertes Spiel am Montag erhofft, das „Produkt“ Bundesliga, gerade im Hinblick auf die aktuelle Ausschreibung für die TV-Rechte ab der Bundesliga-Saison 2017/18, attraktiver zu gestalten. Der Verband versucht so den TV Sendern höhere Einschaltquoten zu versprechen, um die eigenen Einnahmen aus der TV-Vermarktung zu maximieren. Die Partie am Montag ist bis dato ein Novum, daher hat die DFL keine vergleichbaren Zahlen für die Einschaltquote eines Erstligaspiels am Montagabend. An diesem Spieltag ließ sich die Terminierung aufgrund von Sicherheitsbelangen rechtfertigen.
Auch die Auswahl der Partie untermauert diese Vermutung. Mit dem SV Werder Bremen und dem VfB Stuttgart bestreiten zwei langjährige Erstligisten, mit einer hohen Akzeptanz und vielen Fans in der ganzen Republik, diese Partie. Gelegen kommt dazu die sportliche Brisanz aufgrund des Abstiegskampfes. Auf die Fans wurde unterdessen keine Rücksicht genommen, da die Entfernung, die die Gäste zurücklegen müssen mit 624 km die Weiteste an diesem 32. Spieltag ist.

Wer sind die Leidtragenden?
In erster Linie sind die Fans die Leidtragenden. Und zwar alle!
In diesem Fall aber natürlich speziell die Fans der vier betroffenen Vereine, welche erst zwei Wochen vor den Spielen ihre Anreise und ihren Urlaub planen konnten. Die Anreise wird also vielen Fans erschwert oder sogar unmöglich gemacht und damit auch die Unterstützung des eigenen Teams. Somit wird der so häufig verwendete Fair Play Gedanke mit Füßen getreten, da es faktisch eine Wettbewerbsverzerrung darstellt. Aber auch die Heimfans, die zu großen Teilen aus dem Umland der Städte kommen, bleiben davon nicht unberührt.

Was resultiert daraus?
Auf kurz oder lang werden sich die Stadien bei der zunehmenden Spieltagszerstückelung leeren, wie Beispiele in der zweiten Liga bereits zeigen. Die Vereine verkaufen weniger Eintrittskarten und sind somit auch finanziell direkte Leidtragende. Zusätzlich dazu wird auch die Stimmung sinken da auch die aktiven Fans Urlaub und Mehrgelder benötigen. Vor allem aber die Erkenntnis, dass sie als aktive Fans noch mehr wert sind als der schnöde TV Mammon. Dies wird unweigerlich wiederrum dazu führen, dass nach und nach noch weniger Zuschauer es als erstrebenswert empfinden, teure Tickets für noch weniger Erlebnis und mehr Strapazen zu erwerben.

Wir sehen ganz klar die Vereine in der Pflicht, sich für ihre Fans einzusetzen. Nach Bekanntgabe der Spieltagsterminierung wurde von Werders Verantwortlichen ausschließlich die Ansetzung des Nordderbys kritisiert, von Thomas Eichin der Termin als „eine absolute Katastrophe“ bezeichnet.  Ohne Protest und Verständnis für Faninteressen wurde das Montagsspiel hingenommen. „Das müssen wir so akzeptieren“, so Klaus Filbry. Der VfB Sportvorstand Robin Dutt hingegen bezeichnete die Spielansetzung als „absolut nicht nachvollziehbar“. Er befürchtet eine Wettbewerbsverzerrung durch den fehlenden Support der VfB-Fans. Auch wir erwarten von der Geschäftsführung unseres Vereins sich kritisch mit diesem, aber auch anderen Themen, die uns Fans betreffen, auseinanderzusetzen. Als momentanes Mitglied des Ligavorstandes der DFL hätte Filbry dafür die besten Vorrausetzungen. Stattdessen ist davon auszugehen, dass für die Montagsspiele in Zukunft gestimmt wurde.
Nicht zu vernachlässigen ist in dieser Debatte, dass zugleich die Zweitligapartie zwischen dem Karlsruher SC vs. SV Sandhausen vorverlegt wurde. Fanunfreundlichere Anstoßzeiten sind fast nicht mehr möglich. Aber Hauptsache der TV-Zuschauer bekommt rund um die Uhr Fußball angeboten!?

Was tun wir dagegen?
Wir sprechen uns seit Jahren gegen die Spieltagszerstückelung und für fangerechte Anstoßzeiten aus. Ein wichtiges Anliegen ist uns dabei die Sensibilisierung des Themas bei den Fans. Gerade deshalb ist es für uns unmöglich, an diesem Spieltag als Gruppe aktiv aufzutreten und der DFL das gewohnte stimmungsvolle Stadionerlebnis zu liefern. Wir wollen im ersten Montagsspiel der 1. Bundesliga, stellvertretend für alle Fans in Deutschland, die sich gegen die Spieltagszerstückelung und für die Wertschätzung von uns aktiven Fans Woche für Woche engagieren, ein Zeichen setzen.

Viele Fan-Gruppen aus Stuttgart und Bremen werden nicht aktiv beim Spiel auftreten oder dem Spiel gänzlich fernbleiben. Selbstverständlich wissen wir, wie tief unser Verein im Abstiegskampf steckt und wie dringend die Mannschaft auf unsere Unterstützung angewiesen ist. Dennoch gehen wir diesen Schritt, weil er für die Zukunft unseres Sports und somit auch unseres Vereins sehr wichtig ist.
Diese Zukunft befindet sich an einem Scheideweg, wo jeder Fan für sich bestimmen muss, wie weit er diesen Weg noch mitgeht. Wir haben in der Vergangenheit unser Möglichstes getan, den Fußball, wie wir ihn lieben, zu erhalten.
Die Bedeutung des ersten Montagsspiels ist trotz der sportlichen Situation einfach zu groß, um nicht dagegen mit den entsprechenden Maßnahmen vorzugehen. Sollte es am Ende für uns sportlich nicht reichen, liegt es sicher nicht an mangelnder Unterstützung einiger Werder Fans bei nur einem Spiel. Es gab noch 33 weitere Spiele, bei denen wir alles für den Verein gegeben haben!

Setzen wir gemeinsam ein Zeichen gegen Montagsspiele! Lasst uns die DFL in ihrem Vermarkungswahn in die Schranken weisen! Vereine, setzt euch klar für eure Fans ein!